Das Jahr 2017 – ein für Wurzen „jubiläumsschwangeres“ Jahr

Wurzens Stadtchronist Wolfgang Ebert hat siebzehn bedeutsame Jubiläen für dieses Jahr ausgemacht, die für unsere Stadt wesentlich erscheinen. Und dabei sind bereits schon die Zeiträume erstaunenswert, die sich um Wurzen ranken. Vor 1000 Jahren legte König Heinrich II. die Mulde aus Bistumsgrenze zwischen Merseburg und Meißen fest. Damit wurde ein langer Streit der Bistümer um einzelne Pfarreinen im Wurzener Land entschieden.

Für die Wurzener selbst war das Jahr 1347 schwerwiegender, in diesem Jahr brach die größte europäische Pestepidemie aus und in der Wurzener Geschichtsschreibung wurden erstmals „Badestuben“ erwähnt und der Verweis auf einen Bürgermeister gegeben. 60 Jahre später verlegte Bischof Johann VI. von Salhausen seine Residenz nach Wurzen. Der Bischof und Reichsfürst entfaltete eine beachtliche Bautätigkeit. Schon 10 Jahre später wurde das Wurzener Schloss fertiggestellt. Bis heute hat es seinen Reiz und die Einmaligkeit bewahrt und ist neben dem Dom einer der Hauptanziehungspunkte unserer Stadt. Aber schon 50 Jahre später, 1547, war die Beschaulichkeit vorbei, im Rahmen des Schmalkaldischen Krieges wurde die Stadt geplündert und der Bürgermeister Georg Herre ermordet. Der Schmalkaldische Krieg wurde von 1546 bis 1547 von Kaiser Karl V. gegen den Schmalkaldischen Bund, ein Bündnis protestantischer Landesfürsten und Städte unter der Führung von Kursachsen und Hessen, geführt. Dabei versuchte der Kaiser im Heiligen Römischen Reich den Protestantismus zurückzudrängen und gegenüber den Reichsständen die kaiserliche Macht zu stärken.

Der Krieg fand zunächst in Süddeutschland statt, verlagerte sich dann aber in den sächsisch-thüringischen Raum. Nach der Gefangennahme des sächsischen Kurfürsten Johann Friedrich und des hessischen Landgrafen Philipp, der beiden Hauptleute des Schmalkaldischen Bundes, endete der Krieg für den Kaiser erfolgreich. Die Reformation brachte nicht nur theologischen Streit! Das Jahr 1607, vor 410 Jahren, war Wurzens schlimmstes Pestjahr. Ein Drittel der Einwohner raffte die Epidemie weg.  80 Jahres später errichteten die Wurzener in Erinnerung an diese furchtbare Zeit das Pesthäuschen auf dem alten Friedhof. Und 1632, im September vor 385 Jahren, fand wegen der Pest in Leipzig die Michaelis-Messe in Wurzen statt. Leider nur ein einmaliges Messeereignis! Schon fünf Jahre später war Wurzen wieder leidtragend bei kriegerischen Ereignissen. Im Rahmen des 30jährigen Krieges wurde die Stadt völlig zerstört, nur ein Zehntel der Einwohner waren danach noch in Wurzen zu finden. Als „Wurtznische Creutz- und Marter-Woche“ ist diese furchtbare Zeit in die städtische Chronik eingegangen. Vieles wissen wir aus der früheren Zeit, weil der Wurzener Johann Christian Schöttgen seine „Historie der Chur-Sächsischen Stifts-Stadt Wurtzen“ im Jahr 1717, also vor 300 Jahren, in Leipzig drucken ließ. Da war er erst 30 Jahre alt. Schöttgen wurde nach dem Tod seines Vaters, einem Schuhmacher in Wurzen, Stipendiat an der Fürstenschule Pforta. Eine erstaunliche Karriere! Auch ein anderer berühmter Sohn unserer Stadt war ein Schuhmacherskind: Hermann Ilgen! Schöttgen ist Anlass, dass der Wurzener Geschichts- und Altstadt-Verein im November eine Thematischen Abend und Regie von Wolfgang Ebert durchführt. 1817 begannen Sanierungsarbeiten im Dom zu Wurzen, dabei verschwanden die barocke Innenausstattung vollständig, ebenso restliche Zeugnisse aus vorreformatorischer Zeit. Inzwischen sind erfreulicherweise eine ganze Reihe Publikationen zur Baugeschichte des Domes erschienen.

1847 erwarb Friedrich Krietsch die Stadtmühle und baute diese danach erfolgreich zum ersten Großbetrieb der Stadt aus. Weniger Erfolg war der Muldentalbahn beschieden, vor 140 Jahren wurde diese mit der Einweihung des Nordbahnhofes Wurzen fertiggestellt. Der Nordbahnhof, heute das Bistro „Zum Mittags-Gericht“ in der Friedrich-Ebert-Straße, war bis 1879 in Betrieb. Königlichen Besuch hatte Wurzen im Jahr 1907. König Friedrich August III. kam hierher im Rahmen eines Manövers. Und 1917 wurden die Krietsch-Werke durch einen Großbrand zerstört, vom Neuaufbau danach künden heute noch die beeindruckenden Mühlentürme. Die 20er Jahre waren in Wurzen geprägt durch Bürgermeister Friedrich Seetzen, der 27 Jahre im Amt war und 1927 durch Georg Boock, den ersten sozialdemokratischen Bürgermeister, abgelöst wurde. 

Aus jüngster Zeit ist bereits als historisches Ereignis zu werten: die offizielle Übergabe des neu gestalteten Bahnhofsvorplatzes und insbesondere die Einweihung der neuen Mulde-Brücke und der Westtangente um unsere Stadt.

Wir werden im Laufe des Jahres einzelne Ereignisse dieser Übersicht näher beleuchten.

 

Dr. Jürgen Schmidt

Vorsitzender Wurzener Geschichts- und Altstadt-Verein

 

 

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