Mit best├Ątigtem Vorstand in die kommenden Jahre

Wurzener Geschichts- und Altstadt-Verein w├Ąhlte neuen Vorstand

 

Am 19 April 2018 fand die Jahresmitglieder- und Wahlversammlung des Vereines statt. Der bisherige Vereinsvorsitzende Dr. J├╝rgen Schmidt er├Âffnete die Versammlung und gab gem├Ą├č der Tagesordnung Rechenschaft ├╝ber die Arbeit der letzten Jahre, dabei insbesondere ├╝ber die Aktivit├Ąten 2017. Danach wurde der Kassenbericht und die Revisionseinsch├Ątzung vorgetragen. Wie in den vergangenen Jahren erfolgte die Entlastung des Vorstandes.

Den Rechenschaftsbericht ├╝ber die vergangene f├╝nf Jahre f├╝r alle Mitglieder hatte der Vereinsvorsitzende als reich bebilderte Brosch├╝re vorgelegt.

Gew├Ąhlt wurden in offener Abstimmung

Dr. J├╝rgen Schmidt als Vereinsvorsitzender

Wolfgang Ebert als Stellvertreter und Schriftf├╝hrer

Sven Reinhart als Kassenwart.

Als Beisitzer wurden Ernst Petter, Dr. Regina Schmidt, Dorothea Strekies, Werner Seichter und Alexander Wieckowski gew├Ąhlt.

Als Kassenpr├╝fer w├╝rden Carl R├Â├čler und Dr. Ae┬┤ erneut best├Ątigt.

 

Zum 500. Todestag von Bischof Johann VI. von Salhausen

Am 10. April vor 500 Jahren verstarb Bischof Johann von Salhausen nach l├Ąngerer Krankheit in der Stolpener Bischofsresidenz. Sein Leichnam wurde nach Wurzen ├╝berf├╝hrt und in die von ihm 1503 erbaute Salhausische Familiengruft im Westchor des Domes St. Marien beigesetzt. Der 1444 in Thammenhain geborene Johann wuchs in Sornitz bei Mei├čen auf. Seine kirchliche Laufbahn begann 1466 mit der Aufnahme ins Mei├čner Domkapitel. Das Wurzener Stiftskapitel w├Ąhlte ihn 1469 zum Propst. Der Wurzener Propst stamme bis auf wenige Ausnahmen immer aus dem Mei├čner Domkapitel. Dieses Amt gab er 1476 auf, weil ihn die Mei├čner zum Domdechanten w├Ąhlten. Und es sollte noch h├Âher auf der kirchlichen Karriereleiter gehen! 1487 bestieg er den Mei├čner Bischofsstuhl. Johann wurde zu einem der bedeutenden Bisch├Âfe von Mei├čen und zu einer gerade auch f├╝r Wurzen pr├Ągenden Gestalt am Vorabend der Reformation. Johann war ein bedachtsamer ├ľkonom und sanierte die Bistumsfinanzen. Er baute Wurzen zur Bischofsresidenz aus, lie├č Schloss (1491-1497) und Kornhaus (1510) errichten. Ebenso f├Ârderte der Bischof den Kirchenbau. Unter seiner ├ägide wurden folgende Kirchen um- oder sogar neuerbaut: Nemt, Nischwitz, Pausitz, R├Âcknitz und Thallwitz sowie 1503 bis 1508 die Chorerweiterungen des Domes und 1513 die Wurzener Stadtkirche St. Wenceslai. Nicht vergessen werden soll sein Einsatz f├╝r die F├Ârderung von Gottesdienst und Liturgie sowie Bildung und Kunst. Seit 2002 gibt es in Wurzen zwischen der Haugwitz- und Beethovenstra├če den Salhausenweg. Und wer mit offenen Augen durch Wurzen l├Ąuft, entdeckt an einigen Stellen sein bisch├Âfliches Wappen. Es zeigt im ersten und vierten Feld das Lamm Gottes mit der Siegesfahne als Zeichen des Mei├čner Hochstifts und im zweiten und dritten Feld einen Drachenkopf mit zus├Ątzlichem Mohrengesicht als Familienwappen. Das hier gezeigte Wappen stammt aus dem Mei├čner Bischofskodex, dem sogenannten Liber Salhusii, das Urkunden, Rechtsvorschriften und Besitzverzeichnisse von 1495 enth├Ąlt und im Auftrag von Johann v. Salhausen angelegt wurde.

Kirche und Stadt wollen das Salhausenjubil├Ąum mit Gottesdienst, Veranstaltungen und einer gro├čen Ausstellung w├╝rdig begehen.

Pfingstmontag, 21.Mai, 10.00: ├ľkumenischer Gottesdienst im Dom St. Marien mit anschlie├čender Er├Âffnung der Salhausenausstellung in der St. Wenceslaikirche

Domweihetag, 16.August, 19.30 im Dom: ├Âffentlicher Vortrag von Pfarrer Alexander Wieckowski: Ein Gl├╝cksfall f├╝r Wurzen: ÔÇ×Johann VI. von Salhausen ÔÇô ein erfolgreicher ├ľkonom und Bauherr als Wurzener Dompropst und Mei├čner BischofÔÇť

Salhausenausstellung

ÔÇ×Mein Glaube ÔÇô Meine MachtÔÇť Stadtkirche St. Wenceslai: ge├Âffnet vom 21.5. bis 3.10., immer Mi bis So von 11 bis 17.00 Uhr.

Die Sonderausstellung in der St. Wenceslaikirche in Wurzen zeigt anhand sp├Ątgotischer Kunstsch├Ątze und Urkunden, warum Sachsen vor 500 Jahren eine gro├če kulturelle Bl├╝te erlebte und welchen Anteil Johann von Salhausen daran hatte.

Alexander Wieckowski, Pfarrer

 

 

Von fr├╝herer Gr├Â├če und Kindheitserinnerungen

Der Wurzener Geschichts- und Altstadt-Verein hatte zu einem Spaziergang durch Nitzschka eingeladen und Vorsitzender Dr. J├╝rgen Schmidt konnte ├╝ber 50 Interessierte aus dem ganzen Landkreis begr├╝├čen. Eberhard Friedrich er├Âffnete den Rundgang mit der F├╝hrung durch das fr├╝here Rittergut Obernitzschka und war mit seinen profunden Kenntnissen ├╝ber die Geschichte und insbesondere ├╝ber die baulichen Ver├Ąnderungen zum heutigen vorzeigbaren Zustand kaum zu bremsen. Es kann als Gl├╝cksumstand bezeichnet werden, dass in den 90er Jahren der Verein f├╝r umweltbewu├čtes Leben unter Leitung von Anneliese und Eberhard Friedrich dieses Rittergut kaufen und mit riesigem Schwung und Ideenreichtum sanieren und umgestalten konnte. Die Sch├Ąden eines verheerendes Brandes des ehemaligen Hauptgeb├Ąudes sind heute nicht mehr zu sehen, es gl├Ąnzt im s├╝dl├Ąndischen Stil und l├Ą├čt der Phantasie freien Lauf. Mit gro├čer Neugier erkundeten viele ihren ehemaligen Kindergarten im Verwaltungsgeb├Ąude und staunten ├╝ber die gewaltigen Sanierungsarbeiten. Was w├Ąre wohl aus dem Schlo├č geworden, wenn es aus ideologischer Verbohrtheit nach Kriegsende nicht unn├Âtig abgerissen worden w├Ąre?  Der gro├če Garten am Muldeufer mit der Anlegestelle ist ein versteckter zauberhafter Ort, w├Ąhrend der ehemaligen Mulde-Regatten war er ein beliebter Rastpunkt der weit ├╝ber 500 Teilnehmer. Der Verzicht der Stadtoberen von Grimma und Wurzen auf diese von gro├čer Resonanz getragenen touristische und sportliche Aktion scheint unbegreifbar, wenn man an dieser Stelle auf die reizvolle Mulde schaut und Schw├Ąne bestaunen kann.  Auf dem Weg zur Kirche hatte Wolfgang Ebert, der Wurzener Stadtchronist so manche geschichtliche Information parat. Die Nitzschkaer Ortschronistin Kathleen Kramer erg├Ąnzte zur Geschichte Ortschaft, neben B├Ącker und anderen Handwerkern, Bauern und zwei Ritterg├╝tern gab es auch zwei Gasth├Âfe, aus j├╝ngerer Zeit sind die beliebten Pferdetourniere mit gro├čen Kulturprogrammen noch in Erinnerung. Heute ist davon nichts mehr zu sp├╝ren. Aber die Kirche im Mittelpunkt des Dorfes ist ein Kleinod, das nach umfassender Sanierung vor ├╝ber 10 Jahren begeistern kann. Pfarrer Martin Carlitz, viele Jahre selbst in Nitzschka t├Ątig, informierte ├╝ber die lange Geschichte von Kirche und Rittergut im Ort und hielt alle Zuh├Ârer im Bann seiner Worte, gleich verbunden mit einer kleinen Lektion in Reformationsgeschichte und Kirchenarchitektur. Drei Frauen von Nitzschka, die Schwestern Veronika und Margarete von Zesch aus dem Rittergut Obernitzschka und Elsa von Canitz aus dem Rittergut Unternitzschka fliehen gemeinsam mit Katharina von Bora und anderen am Ostersamstag, dem 11. April 1523 aus dem Kloster Nimbschen, rasten wenige Tage in Nitzschka und ziehen weiter nach Wittenberg. Hat sie die die N├Ąhe zu ihren Elterng├╝tern bei der Flucht best├Ąrkt? Nitzschka hat in der Reformationsgeschichte und vielleicht auch in der Belletristik noch viele Stoff zu bieten!

Am Ende waren alle Zuh├Ârer begeistert von dieser kleinen Lokalgeschichte, die sogar den Bogen ├╝ber eine gut gepflegte Grabstelle einer Tochter des gro├čen Milit├Ąrstrategen von Schliefen gespannt hatte. Es lohnt ein Ausflug nach Nitzschka, auch wenn es heute keinen Gasthof mehr gibt.

Dr. J├╝rgen Schmidt

Vereinsvorsitzender