Foto-Ausstellung vom 20.10. bis 15.12.2019 in der Städtischen Galerie im Rathaus Wurzen

„So konnte es nicht weitergehen – Eine Stadt erzählt die Wende“

 

Nicht nur im Osten Deutschlands warten die Jahre 2019 und 2020 mit zahlreichen Veranstaltungen auf, die die Erinnerungen an die Ereignisse am Ende der DDR, des Aufbegehrens der Menschen in Osteuropa, der Wiedervereinigung Deutschlands und des Beginns einer Neugestaltung Europas wachhalten und angemessen würdigen sollen. Aber gerade im Osten Deutschlands werden wir immer wieder Zeugen, wie selbst um die notwendige „Angemessenheit“ erst gerungen werden muss. Mit einer kommunikativen Erinnerung (Alaida Assmann) tut man sich in Leipzig, in Berlin und anderen Städten oft schwer. Die Erinnerungskultur sollte einen besonderen Stellenwert erlangen. Das Problem ist allerdings erkannt: Nur so ist es letztendlich möglich geworden, dass eine Initiative des Wurzener Geschichts- und Altstadt-Vereins in Zusammenarbeit mit der Berliner Soziologin und Fotografin Dr. Cordia Schlegelmilch erfolgreich sein konnte.

Die Ausstellung von über 100 Fotos der Berliner Wissenschaftlerin zum Thema „Eine Stadt erzählt die Wende“ vom 20. Oktober bis zum 15. Dezember im Wurzener Rathaus am Markt wurde vor allem möglich durch die finanzielle und logistische Unterstützung der SAB/ Land Sachsen (Projekt Revolution Demokratie), des LK Leipzig im Rahmen der Kulturraumförderung, des Kulturbetriebes und des Kulturgeschichtlichen Museums der Stadt Wurzen.

Die gezeigten Fotos, die Wurzen als Stadt am Ende eines desolaten Staates zeigen, die seine Bürger und Bürgerinnen in sehr verschiedenen Lebenssituationen ins Bild rücken, die kleinstädtische Atmosphäre und elementaren Lebensvollzug in einer übersichtlichen Welt erkennbar werden lassen, sind für die Initiatoren der Ausstellung ein Versuch, Erinnerungskultur angemessen und herzlich zu entwickeln. Sicher nur einer der Versuche, die in der Gegenwart zu erwarten sind. Die Ausstellung soll Besonnenheit einfordern.

Viele der Bilder, die damals – zwischen 1990 und 1993 – entstanden sind, dokumentieren einen gesellschaftlichen Zustand, der uns heute langsam aus dem Gedächtnis entschwindet, auch oft sogar denen, die unmittelbare Zeitzeugen waren und in den Interviews mit der Soziologin auch Zeugnis ablegten. Doch gerade diese sich zunehmend auftuende Kluft zwischen der Vergangenheit und unserer Gegenwart gilt es zu überwinden. Das Buch von Frau Dr. Schlegelmilch kann uns bei der Verfolgung und Stärkung eines notwendigen kommunikativen Gedächtnisses sehr hilfreich sein.

Bilder der Fotografin dürften vielen Wurzenern nicht unbekannt sein. Bereits 2006 erschien von ihr ein Bildband über Wurzen im Erfurter Sutton Verlag, und in Wurzen selbst fand auch schon eine kleine Präsentation statt.

Diesmal ist das Vorhaben anspruchsvoller, und es soll nicht nur die Wurzener berühren. Geplant ist auch, die Ausstellung in den Partnerstädten zu zeigen. Das kommunikative Gedächtnis darf sich nicht nur auf einen kleinen Kreis beschränken. Auf jeden Fall ist das Zeigen der Bilder ein Beitrag zur Würdigung eines geschichtlichen Vorgangs, der unser aller Leben für sehr lange Zeit deutlich geprägt haben wird.

 

Buchpräsentation – Eine Stadt erzählt die Wende

Im Kontor des Kulturgeschichtlichen Museums Wurzen wird am Dienstag, dem 1. Oktober 2019, die Berliner Soziologin und Fotografin Frau Dr. Cordia Schlegelmilch ihr im Sommer erschienenes Buch „Eine Stadt erzählt die Wende – 1989 Wurzen / Sachsen 1990“ vorstellen. Die Veröffentlichung basiert auf einer umfangreichen Feldstudie der Soziologin in den Jahre 1990 bis 1993 und erweiternd darüber hinaus bis 1996. In diesen Jahren lebte die Autorin selbst in Wurzen, suchte bewusst den direkten Kontakt zu den Einwohnern, hielt in nahezu 70 Interview-Stunden mit den Kontaktpersonen auf ca. 450 Tonbandkassetten biografische Rückblicke und die individuellen Erfahrungen und Wahrnehmungen der Wende-Ereignisse in Wurzen fest. Das Ziel der Studie war nach den Worten der Autorin, die unterschiedlichen individuellen Perspektiven ihrer Interview-Partner mit regionalhistorischen Daten und Quellen zu einem Gesamtbild zusammenzuführen und damit ein weitgehend authentisches, wenn auch lokalgeprägtes Bild von den epochalen Vorgängen am Ende des 20. Jh. zu vermitteln.

Ein zweites, nicht zu unterschätzendes Arbeitsgebiet war für die Soziologin auch die fotografische Dokumentation der Atmosphäre in einer sächsischen Kleinstadt unmittelbar nach der friedlichen Revolution in der DDR, der Wiedervereinigung Deutschlands, dem gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Systemwechsel mit allen, den Folgen für alle Beteiligten und Betroffenen. Die Berliner Wissenschaftlerin hat ihr in Wurzen gewonnenes Material vielfach für Beiträge in Fachzeitschriften und bei Fachkolloquien genutzt. Ein reichliches Vierteljahrhundert nach den dokumentierten Vorgängen wendet sich das neue Buch an die Zeitzeugen von damals, aber auch an alle, die um eine angemessene Erinnerung und an eine sinnstiftende Gedächtniskultur bemüht sind. Das Buch begleitet gleichzeitig die ab dem 20. Oktober in Wurzen stattfindende Foto-Ausstellung der Autorin.

Die Veranstaltung, die vom Wurzener Geschichts- und Altstadt-Verein Wurzen, dem Kulturgeschichtlichen Museum der Stadt und dem Sax Verlag initiiert worden ist, beginnt im Kontor des Museum 19.00 Uhr. Alle Interessierten sind dazu recht herzlich eingeladen.

 

                                                                                                                      Wolfgang Ebert

 

                                                                                                                                             

An zwei Jubiläen würdig erinnert

 

Der Wurzener Geschichts- und Altstadt-Verein hatte Anfang Juni in die Aula des ehemaligen königlich-sächsischen Gymnasiums, des heutigen Berufsschulzentrums in Wurzen  eingeladen, um die Gründung des Vereins vor 110 Jahren und die Entstehung der großen Wandbilder in der Aula zu würdigen. Der Vereinsvorsitzende Dr. Schmidt begrüßte die Gäste, unter ihnen der Landrat Henry Graichen und Wurzens Oberbürgermeister Röglin, die alle trotz großer Hitze gekommen waren. Danach sprach kurz OStD Harnisch als Schulleiter und Hausherr. Er erinnerte, daß bereits 1984 die Sanierung der Aula des Schulgebäudes begann, aber diese erst im Zeitraum 2004 bis 2006 komplett beendet werden konnte. Damals hatte Richard Klinkhardt des Festreferat gehalten, einer der früheren Schüler in diesem Haus. Bevor Wolfgang Ebert seinen Festvortrag startete, brachten Tänzerinnen der Musikschule Muldental unter Leitung von Frau Siebert, begleitet von einem Blockflötentrio den Tanz der Rohrflöten aus dem Ballett „Der Nussknacker“ zur wunderbaren Aufführung. Danach spielte das Akkordeon-Quartett, Schüler von Heidi Steger, zwei mitreisende Stücke. Dr. Schmidt bedanke sich bei allen Mitwirkenden

Musikalische und tänzerische Ausbildungen sind Bestandteil klassischer Ausbildung, so wie sie auch auf einem der Wandbilder verkörpert werden.  Wolfgang Ebert erinnerte an die wechselvolle Geschichte der Wandbilder, die sogar viele Jahre zu DDR-Zeiten zugehängt waren. Schöpfer der Wandbilder war Max Seliger (1865-1920), Direktor der königlichen Akademie für grafische Künste und Buchgewerbe in Leipzig, dem Vorgänger der heutigen Hochschule für Grafik und Buchkunst. Seliger schuf umfangreich große Wandbilder, unter anderen für die Eingangshalle der Deutschen Bücherei Leipzig und das Reichstagsgebäude. Leider waren trotz Einladung keine Vertreter der heutigen Hochschule in Leipzig zur Veranstaltung gekommen.

Gründer des früheren Geschichts- und Altertums-Verein war der damalige Rektor des Gymnasiums, Prof. Dr. Otto Eduard Schmidt (1855-1945), der wegen seiner Veröffentlichungen „Kursächsische Streifzüge“ auch als sächsischer Fontane bezeichnet wird. 1909 waren dreißig Repräsentanten von Wurzen und Umgebung die Gründer des Vereins, unter ihnen umfangreich die Lehrer, Ärzte, Bedienstet der Stadt, und Selbstständige.  Bereits 1929 hatte der Verein 149 Mitglieder, umfangreiche Berichte zur Wurzener Geschichte prägten die Arbeit des Vereins. Nach der friedlichen Revolution und der Aufhebung des Verbots unzähliger Vereine erfolgte auch die Neugründung des Wurzener Geschichts- und Altstadt-Vereins, erster Vorsitzender war Gerhard Grundwald. Seit 2008 führt Dr. Schmidt den Verein. Die Festrede von Wolfgang Ebert wird in den kommenden Tagen in der Homepage des Vereins zu lesen sein, genau wie sehr viele Informationen über die Aktivitäten des Vereins und von Veröffentlichungen von Vereinsmitgliedern.

Dr. J. Schmidt

Vereinsvorsitzender

 

Bildtexte:

  • Tänzer und Flötenspieler der Musikschule
  • Das Akkordeonquartett
  • Wolfgang Ebert beim Festvortrag
  

 

30 Jahre Friedliche Revolution

Wurzener Geschichts- und Altstadt-Verein und Museum Wurzen veranstalten eine ganz besondere Ausstellung ab 20. Oktober 2019

 

Frau Dr. Cordia Schlegelmilch ist Soziologin und professionelle Fotografin, die als „Chronistin“ der Nach-Wendezeit im Kreis Wurzen in der Zeit von August 1990 bis 1996 rd. 170 umfangreiche mehrstündige biografische Interviews mit Bewohnern der Stadt und des Kreises Wurzen durchgeführt und aufgenommen hat. In der Zeit Ende 1990, Anfang 1991 war bei den Wurzenern die Neugierde auf das Neue noch sehr stark ausgeprägt. Nie wieder war die Gesprächsbereitschaft so groß, nie wieder konnten Gespräche in dieser Offenheit stattfinden, wie in diesen ersten Monaten nach dem Mauerfall. Die Veränderungen in der Stadt wurden zeitgleich mit den Interviews auf mehr als 4.000 Fotografien dokumentiert. Die Fotografien der geplanten Ausstellung konzentrieren sich auf die ersten Nachwendejahre. Sie zeigen, wie sehr dies eine Zeit des provisorischen Übergangs zwischen dem „Nicht Mehr“ und dem „Noch Nicht“ war.  Im Oktober 2019, zum 30. Jahrestag des Mauerfalls, plant der Wurzener Geschichts- und Altstadtverein zusammen mit dem Kulturhistorischen Museum Wurzen eine Ausstellung, in der rd. 80 ausgewählte Fotografien von Cordia Schlegelmilch aus dieser Zeit zu sehen sind. Die Fotografien werden auf Aludibond montiert und sollen nach Ausstellungsende ohne Aufwand als Wanderausstellung in die Partnerstädte von Wurzen (Warstein, Barsinghausen), interessierte Forschungsinstitute oder andere Ausstellungs- institutionen transportiert werden. Zur Ausstellungseröffnung wird ein rd. 250 Seiten umfassender Textband im Sax-Verlag erscheinen, der zwar auch einige Fotografien enthält, jedoch im Wesentlichen die unterschiedlichen, ja oft sogar kontroversen Erzählungen der Wurzener aus dieser Zeit zu einer lebendigen, chronologisch angelegten Textcollage verbindet.

Die Publikation beinhaltet ergänzend wichtige historische und gesellschaftspolitische Daten und Besonderheiten des Kreises Wurzen. Es werden biografische Rückblicke in die Vergangenheit eingeflochten, um zu verstehen, wie einzelne Sichtweisen und Beurteilungen der Wendezeit entstanden und zu verstehen sind. Das Besondere an diesem Textband ist, dass unterschiedliche Bevölkerungsgruppen aus ein und derselben Stadt über die dortigen Ereignisse der Wende und ihre Akteure sprechen. Der Leser kann sich anhand dieser Erzählungen sein ganz eigenes Bild mit seinen Widersprüchen machen. Die Publikation „Eine Stadt erzählt die Wende“ (Arbeitstitel) macht den Umgang mit dem historischen gesellschaftlichen Bruch und den eigenen bewegten Erlebnissen und Reaktionen wieder lebendig. Interessant ist in diesem Zusammenhang auch die Nähe von Wurzen zu Leipzig, denn die Wurzener Bevölkerung spaltete sich in Gruppen, die in Leipzig demonstrierten und die, die bewusst in Wurzen agierten.

Der SAX-Verlag stellt eine eigene Ausgabe mit ISBN her und nimmt den Titel in das Verlagsprogramm auf, sodass das Buch im Buchhandel und über das Internet erhältlich ist.

Ausgangsbasis der Ausstellung und der Textcollage ist eine groß angelegte soziologische Studie von Dr. Cordia Schlegelmilch aus diesen Jahren (1990-1996). Anhand von biographischen Interviews und teilnehmender Beobachtung in einer ostdeutschen Kleinstadt wollte sie herauszufinden, wie sich Alltag, Biographien, Mentalitäten und das soziale Zusammenleben nach dem dramatischen gesellschaftlichen Wandel in Ostdeutschland verändern würden. Die Wurzen-Studie beabsichtigte zudem, die einzelbiographische Perspektive zu überschreiten und die unterschiedlichen individuellen Perspektiven auf das städtische Leben mit regionalhistorischen Daten und Quellen zu ergänzen und zu einem Gesamtbild zusammenzuführen. Nach einer Reise durch verschiedene Kreisstädte der DDR entschied sie sich für die Kreisstadt Wurzen in Sachsen, die eindrucksvoll traditionelle Strukturen einer sehr alten Industrie- und Bischofsstadt mit typischen Prägungen durch das DDR-System verband.

Ergebnis der Forschungsarbeiten waren zahlreiche Publikationen, die geleitet von Fragen der sog. Transformationsforschung und theoretischen Annahmen zu gesellschaftlichen Umbrüchen und ihren Folgen rein wissenschaftliche Texte waren, zu denen die Wurzener Bevölkerung bis auf wenige Ausnahmen keinen Zugang hat. Eine erste, komplett von Cordia Schlegelmilch selbst finanzierte Ausstellung 2001 in Wurzen endete mit einem Besucherrekord. Zwei Auflagen eines Bildbands im Sutton-Verlag (Wurzen, Reihe Wendezeiten, Erfurt 2006) sind ausverkauft. Das Buch ist vergriffen und wird nicht mehr aufgelegt. Dies zeigt das rege Interesse der Bevölkerung an den Arbeiten und Publikationen von Frau Dr. Schlegelmilch. Aber längst konnten nicht alle Fotografien gezeigt werden, sodass die geplante Ausstellung einen weiteren Blick auf das reichhaltige Bildmaterial liefert. Neu und ganz besonders im Mittelpunkt der Ausstellung soll ein Textband stehen, der ein tiefgreifendes, lebendiges Panorama der Wendezeit liefert, das die damaligen Ereignisse spannend und einfühlsam darstellen wird. In diesen Erzählungen sollen sich die Leser wiederfinden und die Geschichte noch einmal nacherleben können. Es entsteht ein einzigartiges Arsenal der Erinnerung von Fotografien und Texten als Teil unseres kollektiven Gedächtnisses und ermutigt alle, die die Ausstellung sehen und das Buch lesen, die Zeitgeschichte als Beispiel für eine Welt im Umbruch zu betrachten.

 

 

Jahreshauptversammlung mit großer Überraschung

Am 11. April veranstaltete der Wurzener Geschichts- und Altstadt-Verein seine Jahreshauptversammlung. Gleich zu Beginn konnten alle auf ein Jubiläum anstoßen: Vor 110 Jahren wurde der Wurzener Geschichts- und Altertumsverein gegründet, erster Vorsitzender war der damalige Rektor des Königlich Sächsischen Gymnasiums Prof. Schmidt.  Wolfgang Ebert berichtete kurz über die damaligen Initiativen, es war für die Wurzener Lehrer, Ärzte, Apotheker, Gewerbetreibende und die Repräsentanten der umliegenden Orte selbstverständlich, in einem solchen Verein mitzuwirken. Derzeit hat der Verein über 40 Mitglieder und wie zu Gründungszeiten ist auch heute die Popularisierung der Wurzener Geschichte ein Hauptanliegen. Beispiele sind die große Ilgen-Biografie, das Historisch-topografische Lexikon mit mehreren Auflagen, das Buch über die Wurzener Bürgermeister, die Wurzener Sportgeschichte u.a.

Der Vorsitzende Dr. Jürgen Schmidt gab den Rechenschaftsbericht über das Vereinsleben und die Initiativen im letzten Jahr. Herausragend war der Besuch auf Schloß Döben bei Familie Dr. von Below, die große Würdigung der Akteure für die kampflose Übergabe der Stadt 1945 durch Vereinsmitglied Dr. Wulf Skaun in der Wenceslaikirche mit großer Resonanz oder das gemeinsam mit der Stadtverwaltung und der Kirchgemeinde initiierte Gedenken am  Volkstrauertages am Mahnmals für die Gefallenen des ersten Weltkrieges auf dem alten Friedhof, welches auch in diesem Jahr wieder veranstaltet wird. Dann berichtete Dr. Schmidt über den Besuch von Vereinsmitgliedern in Warstein anlässlich des 55jährigen Bestehens der Städtepartnerschaft Warstein-Sankt Pol/Frankreich. Im kommenden Jahr jährt sich die Begründung der Städtepartnerschaften von Wurzen mit Warstein und Barsinghausen zum 30. Male, am 3. Oktober 1990 unterzeichneten die damaligen Bürgermeister Anton Pausch mit dem Warsteiner Georg Juraschka und dem Barsinhäuser Klaus D. Richter die Urkunden im Wurzener Plenarsaal.

Nach den Kassenbericht von Sven Reinhart und der Revision durch Carl Rößler wurde der Vorstand für das Geschäftsjahr 2018 einstimmig entlastet. Und dann brachte Vereinsmitglied Rene´ Rätze eine große Überraschung: Er hatte im Nachlaß der Familie eine kupferne Tafel gefunden, die die Pflanzung des ersten Baumes für den Stadtpark am 12. 10. 1879, die noch heute am Spielplatz stehende sogenannte Fischer-Eiche, bezeugt. Wir wollen schon seit langer Zeit mit einer Gedenktafel oder einem Denkmal diesen Anlaß von 140 Jahren würdigen, fanden aber bisher mit der Denkmalschutzbehörde keinen Konsens. Nun wollen wir die Kupfertafel aufarbeiten und dann an originaler Stelle nach Abstimmung mit dem Denkmalschutz anbringen lassen. Wolfgang Ebert erinnerte an diese Parkgründung, weil auch noch ein anderer Baum von damals heute vorhanden ist, die sogenannte Albert-Eiche. Sie wurde 1898 gepflanzt zu Ehren des 25jährigen Dienstjubiläums des sächsischen Königs Albert (1828 bis 1902) und damals aus dem Sachsenwald von Fürst Otto von Bismarck geholt. Daher ist sie auch manchmal als Bismarck-Eiche bekannt. So brachte der Abend viel Neues aus Wurzen und anschließend berichtete Vereinsmitglied Frau Hentschel über ihr über 10 Jahre dauerndes Leben auf der schwedischen Insel Gotland. Auch das brachte viel Neues und wird manchen zu einem Ausflug nach Gotland überzeugt haben.

Eine gelungene Veranstaltung war der Tenor auf dem Nachhauseweg!

 

Heiße Geschichte bei kaltem Wetter

Dorfspaziergang durch Sachsendorf

 

Der diesjährige Dorfspaziergang auf Einladung des Wurzener Geschichts- und Altstadt-Vereins führte durch Sachsendorf und trotz des naßkalten Wetters waren viele Geschichtsinteressierte und Sachsendorfer gekommen. Ein Schatzkästchen sei die Kirche hier im Ort, meinte Pfarrer Wieckowski und hielt eine begeisternde Laudatio auf dieses Bauwerk, das so trefflich theologischen Prinzipien in der Architektur widerspiegelt und durch die Patronatsfamilien über Jahrhunderte hinweg gepflegt und „modernisiert“ wurde. Eine Augenweite sind die Patronatsloge, die ausgemalte Apsis und die Orgel, eine der ältesten in weiten Umfeld. Und die mittelalterlichen Schmuckstücke, die großen Holzfiguren ST. Mauritius und die Madonna sowie die Altartafeln, zeugen vom einstigen Kunstverständnis der Rittergutsbesitzer. Bis Kriegsende waren sie im Herrenhaus, dann habe mutige Sachsendorfer die Figuren im Pfarrhaus versteckt und nach der friedlichen Revolution hat die Familie von Eschwege, die einstige Partronatsfamilie der Kirchgemeinde, diese Kunstschätze als Dauerleihgabe der Kirche übergeben. Dorfchronistin Petra Musch führte weiter die Gruppe in den Ort und betonte das soziale Wirken der Sachsendorfer Rittergutsbesitzer. Das hat sie aber nicht vor der Vertreibung bewahrt, unter dem fadenscheinigen Begriff Bodenreform wurde eine flächendeckende Enteignung vollzogen. Bis 1948 wohnten Flüchtlinge im Herrenhaus, dann entschieden die ortsansässigen Kommunisten den Abriß des Gebäudes und das Rittergut wurde in seiner Struktur zerstört. Vor wenigen Jahren wurde noch die frühere Brennerei abgerissen. Die sogenannte Villa, das einstige Auszugshaus der Patronatsfamilie von Hübel, steht seit langen leer und verfällt augenscheinlich. Ganz nah liegen oft geschichtliche Bewahrung und kulturloses Handeln beieinander.

Dr. Jürgen Schmidt

Vereinsvorsitzender

 

Fotos: Schmidt

Bildtexte

  1. Pfarrer Wieckowski bei seinen Erläuterungen der schönen Kirche
  2. Petra Musch (rechts) am Eingang zur Gruft der Rittergutsfamilie
  3. Die einstige Heimatstube in der Kirche schmücken Wandbilder, Rundblickleser erinnerten sich daran.
  4. Bei Regen durch das Dorf
   

 

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