um 9000 v.u.Z. Schweifende p a l À o l i t h i s c h e JÀger erreichen das Gebiet der mittleren Vereinigten Mulde (Funde am Zinkenberg, Kuppelberg, Wachtelberg).
um 6000 Die weitgehend waldfreie östliche Hochterrasse zieht zuneh-mend JĂ€ger und Sammler an (m e s o l i t h i s c h e Funde bei OelschĂŒtz, Roitzsch, Trebelshain).
um 3000 Mit dem Übergang zum Ackerbau (N e o l i t h i k u m) nimmt die Verweildauer des Menschen bis zur Sesshaftigkeit zu. GrĂ¶ĂŸere Funddichte (Trebelshain, LĂŒptitz, Nemt, Deuben, Dehnitz).
  Bemerkenswerte Siedlungsspuren am Crostigall (Posthof).
um 1800 WĂ€hrend der B r o n z e z e i t befindet sich das Gebiet der spĂ€teren Stadtflur am westlichen Rand der Lausitzer Kultur (Sachsendorf, OelschĂŒtz, Dehnitz, "Heidenberg" bei Roitzsch).
um 450 Westgermanen siedeln auf den Muldeterrassen.
  La-TĂšne-Zeit (spĂ€tbronzezeitlich-frĂŒheisenzeitlicher BegrĂ€bnisplatz auf dem WerksgelĂ€nde nördlich des Bahnhofs).
  Auf der Stadtflur sind am Doktorteich zwei Siedlungsschichten nachweisbar. Die Ă€ltere enthĂ€lt Keramik des "Harpstedter Typs". Die jĂŒngere gehört bereits ins 1. Jh. u.Z. und zeigt schon ostgermanischen Einfluss.
4./5. Jh. Bis zur spĂ€trömischen Zeit bleibt die Stadtflur von Germanen besiedelt (Fund in der Theodor-Uhlig-Straße). Die Völkerwanderung entsiedelt das Muldegebiet.
nach 600 Die slawische Landnahme flussaufwĂ€rts erreicht das Gebiet der mittleren Mulde. Beginn der SiedlungskontinuitĂ€t am rechten Muldehochufer in der NĂ€he der Rietzschke-MĂŒndung (Domplatz und Crostigall).
1. HÀlfte 10. Jh. Einbeziehung des mittleren Muldegebiets in das Herr-schaftsgebiet der sÀchsischen Liudolfinger und deutschen Könige.
924 Heinrich I. hĂ€lt sich im mittleren Muldegebiet auf. Er flieht aus einem Hinterhalt der Ungarn auf die Burg Bichni (PĂŒchau).
929 Unterwerfung der Daleminzer durch Heinrich I. GrĂŒndung der Burg Meißen. Kriegszug nach Böhmen. Muldenfurten erhalten besondere militĂ€rische Bedeutung.
961.VII.29. Der Burgward Wurzen wird erstmalig in einer Schenkungsurkunde Ottos I. als civitas vurcine, im "anderen Gau Neletici gelegen", genannt.
973 Der maurische Gesandtschaftsarzt Ibrahim ibn Jakub nennt Wurzen im Bericht ĂŒber seine Reise von Magdeburg nach Prag.
995? Otto III. schenkt dem Bischof Aico von Meißen die Burgwarde Wurzen und PĂŒchau. Damit kommt der Burgward Wurzen als weltlicher Besitz an das Bistum Meißen (ggr. 968).
  Weltliche und geistliche Oberherrschaft wechseln in den nĂ€chsten 200 Jahren wiederholt (Merseburg, Meißen).
1004-1017 Polenkriege unter Heinrich II.
  Boleslaw I. Chobry dringt bis nach Wurzen vor.
1017 Eine aus dem Heer Heinrichs II. entlassene Heerschar der Liutitzen ĂŒberschreitet bei Wurzen die Hochwasser fĂŒhrende Mulde. Dabei geht ihr mitgefĂŒhrtes Götterbildnis verloren.
  Heinrich II. legt die Mulde als Grenze zwischen den BistĂŒmern Merseburg und Meißen fest.
1080 Als VerbĂŒndeter Heinrichs IV. im Kampf gegen die FĂŒrstenopposition gelangt der böhmische Herzog Wratislaw II. mit seinem Heer bis nach Wurzen. Hier ĂŒberschreitet er die Mulde auf dem Weg nach Leipzig.
um 1100 Nordöstlich der Burg entsteht eine Kaufmannssiedlung mit der Kirche St. Jacobi (spÀtere "Altstadt").
1114 Bischof Herwig von Meißen grĂŒndet zur VerstĂ€rkung der MissionstĂ€tigkeit das Kollegiatstift Wurzen. Bau eines kleinen (romanischen MĂŒnsters. VorgĂ€nger der gotischen Stiftskirche St. Marien) im Bereich der Burg. Nennung eines bischöflichen Zolls (telonium Wurczense).
  Erstmalig Nennung eines territorium Wurczinense.
  Gleichzeitig Landesausbau durch verstĂ€rkte bĂ€uerliche Siedlung.
1154 KĂŒhrener Ansiedlungsvertrag.
  Die Meißner Bischöfe lassen Wurzen und das Wurzener Land durch eigene Vögte verwalten. SĂŒdlich der Wurzener Burg ist eine Dienstmannensiedlung entstanden.
um 1200 Die Rechtsstadt entsteht zwischen den Siedlungskernen Burg mit Vorburg (westlich des Marktes), der Dienstmannensiedlung im Rietzschketal und der Kaufmannssiedlung "Altstadt". Wurzen erhÀlt Magdeburger Stadtrecht, Ringmauer und Graben sowie 4 Stadttore.
1223 Erste ErwÀhnung eines Scholasticus beim Stift. Hinweis auf die Existenz einer Stiftsschule.
1274.VIII.22. Erste ErwĂ€hnung der Wenceslaikirche. Sie liegt als Pfarrkirche außerhalb der Mauern. Die Jacobskirche ist ihrer Parochie einverleibt.
1260 Bau des gotischen Ostchores der Stiftskirche.
1284 Der Markgraf von Meißen erkennt landesherrliche Rechte der Bischöfe von Meißen ĂŒber Wurzen und das Wurzener Land an.
1340 Erste ErwÀhnung des Crostigalls. Noch 1423 werden die Her-ren von Crostigall beurkundet.
1347 Erste namentliche Nennung eines BĂŒrgermeisters: Heidenreich von Nizschwitz.
1358 Bischof Johann I. (von Eisenberg) stellt in seinem Testament 100 Schock breiter Prager Groschen zur Befestigung des Wur-zener Schlosses bereit.
1381 Um das Wurzener Land entbrennt der "Pfaffenkrieg" zwischen dem Erzbischof von Magdeburg und dem Bischof von Meißen.
1384 Erstmalige Nennung der "Altstadt".
um 1400 Es hat sich bereits eine rege handwerkliche und gewerbliche TĂ€tigkeit ausgeprĂ€gt. Wichtige Gewerbe sind Brauerei, MĂŒllerei, Bauhandwerk.
1413 Bau eines Grabens um die Vorstadt ("Wenzelsvorstadt"). Alle Einwohner, die zwischen diesem und der eigentlichen Stadtmauer wohnen (die "PfahlbĂŒrger"), erhalten ebenfalls BĂŒrgerrecht. Noch nach 1504 werden Versuche fortgesetzt, die Ă€ußere Stadtmauer nach SĂŒden und Osten zu erweitern (dabei Nutzung zweier SteinbrĂŒche auf dem Crostigall), 1512 mĂŒssen diese BemĂŒhungen wegen zu hoher Kosten eingestellt werden.
1429/30 Die Hussiten unter Prokop durchziehen das Wurzener Land.
1462 Das kurfĂŒrstliche Straßenmandat legt den Frachtverkehr auf die MuldenĂŒbergĂ€nge in Grimma und Eilenburg fest. Damit sollen die bischöflichen Zolleinnahmen an der Mulde verringert werden.
1470 Die Stiftskirche (Dom) brennt aus. Vernichtung des Archivs.
1481 Der Rat der Stadt erlangt vom Bischof die obere und niedere Gerichtsbarkeit pachtweise, 1579 erwirbt er sie durch Kauf.
1485 Nach der "Leipziger Teilung" befindet sich Wurzen mit dem Wurzener Land zwischen zwei wettinischen Territorien: dem KurfĂŒrstentum und dem Herzogtum Sachsen. Beide wettinischen FĂŒrsten behalten gemeinsam die "Schutzherrschaft" ĂŒber die bischöflichen Territorien und die Stadt Wurzen.
1487 Bischof Johann VI. (von Salhausen) verlegt seine Residenz nach Wurzen. Der Bischof und ReichsfĂŒrst entfaltet eine beachtliche BautĂ€tigkeit.
1491/97 Bau des jetzigen Schlosses und des Kornhauses.
um 1500 Durch die bischöfliche Hofhaltung Hebung von Wirtschaft und Verkehr, insbesondere Aufschwung in der Landwirtschaft, Fischerei, Leineweberei und Bleicherei, MĂŒllerei und Bierbrauerei.
1508 Der Dom wird von den BrĂŒdern Gebende instandgesetzt, Bau des spĂ€tgotischen Altarraumes.
1511 Das Domkapitel verkauft seinen Worthauer Besitz an den Rat der Stadt. Das ist neben dem Kauf der Mark Trauschken, des Rittergutes MĂŒglenz und des Steinhofes vor dem Jacobstor die beachtenswerteste Erwerbung der Stadt.
bis 1513 Bischof Johann von Salhausen lÀsst die Wenceslaikirche erneuern.
1519.IV.13 Großer Stadtbrand. Ihm fallen u.a. Schloss und Rathaus zum Opfer. Verschont bleiben nur Altstadt und die Vorstadt vor dem Eilenburger Tor.
  Die Wurzener ArmbrustschĂŒtzen, ein Zeichen stĂ€dtischer Wehrhaftigkeit, werden erstmalig genannt.
1531 Fehde Urbans von KĂŒhnitzsch mit Bischof Johann VII. (von Schleinitz). Urban ĂŒberfĂ€llt die Stadt und steckt 6 Scheunen in Brand.
1539 Beginn der Reformation in Wurzen. KurfĂŒrst Johann Friedrich schickt als ersten evangelischen Prediger Johann Hoffmann aus Thammenhain (damals zum KurfĂŒrstentum gehörend) an die Wenceslaikirche. Dom und Stadtherrschaft bleiben katholisch. Im Zuge der Reformation Verbesserung des stĂ€dtischen Schulwesens, die "teutsche" Knabenschule vor dem Wenzelstore wird 1542 mit der Stiftsschule zur stĂ€dtischen Lateinschule vereinigt.
1542 Da KurfĂŒrst Johann Friedrich zu Beginn des Jahres das bischöfliche Wurzen besetzen lĂ€sst und einseitig die sogenannte TĂŒrkensteuer erhebt, kommt es zur Wurzener Fehde mit seinem Vetter Herzog Moritz von Sachsen. Beide FĂŒrsten ziehen Anfang April Heere um Wurzen zusammen, das von Johann stark befestigt worden ist. Die Vermittlungen Luthers und vor allem die des Landgrafen Philipp von Hessen ermöglichen einen Vergleich zwischen den FĂŒrsten ("Fladenkrieg").
  EinfĂŒhrung der Reformation in Wurzen und in den eingepfarrten Dörfern Dehnitz und Roitzsch. Die Stadt hat etwa 5000 Einwohner.
1547 PlĂŒnderung der Stadt im Schmalkaldischen Krieg durch kursĂ€chsische Reiter. Ermordung des BĂŒrgermeisters Herre. Nach der Schlacht bei MĂŒhlberg (24.4.) huldigt die Stadt Herzog Moritz.
1548 Der Rat legt sĂŒdlich der Wenzelsvorstadt einen neuen Fried-hof an („Alter Friedhof“). Auf dem GelĂ€nde wird die Heilig-Geist-Kirche errichtet.
1555 Bischof Johann IX. von Haugwitz lÀsst das Jacobstor in die Mauer brechen. Erinnerungstafel heute an der Liegenbank.
1558 Der Saukrieg. Fehde des Hans von Carlowitz mit Bischof Johann IX. (von Haugwitz). Die Carlowitzschen Reiter erscheinen am 13.9. vor der Stadt, um den Bischof gefangen zu nehmen. Da ihnen auch ein zweites und drittes Mal vor den Mauern kein GlĂŒck beschieden ist, treiben sie am 8.11. den Wurzenern das Vieh, darunter 700 Schweine, von der Weide am Eilenburger Tor.
1573 Die SeilfÀhre an der Mulde wird erstmalig erwÀhnt.
1581.X.20. RĂŒcktritt des Bischofs Johann von Haugwitz und Unterstellung der bischöflichen Territorien samt allen Hoheitsrechten unter die kurfĂŒrstliche Regierung.
1582 Das Stift Wurzen, einschließlich des MĂŒgelner und des MĂŒhlberger Gebiets, erhĂ€lt eine gesonderte Verwaltung - die "ChurfĂŒrstlich SĂ€chsische Stifftsregierung zu Wurtzen". Damit wird u.a. der besonderen reichsrechtlichen Stellung des Wurzener Landes GenĂŒge getan.
1596 Bau der Stadtschule "an den Schultreppen".
1598 Heinrich von Gaudelitz, Besitzer von Nischwitz und von Waldungen bei Röcknitz ("Gaudlitzberg"), seit 1579 auch mit dem "Freigut auf dem Crostigall" belehnt, beginnt auf dessen GelÀnde eine Anzahl HÀuser zu bauen (VorlÀufer der heutigen Postgasse, "GaudlitzhÀuser"). Diese verschmelzen mit dem GutsgelÀnde, und es entsteht nach und nach die "Gemeinde Gaudlitz", die mit der Gemeinde Crostigall unter Amtshoheit verbunden bleibt.
1599 Pestjahr. Der Rat kauft die SiechenhÀuser vor dem Wenzelstor (GelÀnde des spÀteren Johannishospitals) von der Stiftsregierung.
  FĂŒr 11 600 Gulden kauft der Rat aus dem Besitz des Hermann von Heynitz auf Podelwitz das Rittergut MĂŒglenz. Er setzt die MĂŒglenzer Kirche instand und stiftet aus den Einnahmen des Gutes 2 Stipendien.
1600 Bau einer MĂ€dchenschule hinter der Mauer.
um 1600 GĂŒnstige wirtschaftliche und finanzielle Lage der Stadt. Einzelne BĂŒrger oder der Rat erwerben zahlreiche LĂ€ndereien. Lebhafter Export des Wurzener Biers, das in 11 BrauhĂ€usern hergestellt wird.
1602 Verheerender Stadtbrand (GrĂŒndonnerstag).
1607 Wurzens schwerstes Pestjahr. Der von Leipzig eingeschleppten Krankheit fallen von Mai bis Oktober 1.450 der 5.000 Einwohner zum Opfer. Sie werden auf dem Friedhof beim Johannis-Hospital in MassengrÀbern bestattet (PesthÀuschen).
1618.V.23.-1648.X.24. DreißigjĂ€hriger Krieg.
1631.IV.5. Stadtbrand. 86 HĂ€user westlich des Marktes brennen ab. (Brandtafel Johannisgasse 3).
  WĂ€hrend der Belagerung von Leipzig durchziehen kaiserliche Truppen die Stadt und erlegen ihr Kontributionen auf.
1632 Wegen der Pest in Leipzig findet die Michaelis-Messe (September) in Wurzen statt.
  Albrecht von Wallenstein weilt in Wurzen (30.10.-8.11.).
1634/35 Wurzen wird mehrmals von kursÀchsischem MilitÀr besetzt und muss neben der Verpflegung hohe Kontributionsgelder aufbringen.
1637 Die "Wurtznische Creutz- und Marterwoche"
  Von Jahresbeginn an wird die Stadt von den Schweden mit der Androhung von PlĂŒnderung erpresst. Trotz der Zahlung hoher Loskaufsummen wird die Stadt vom 4.4. an von schwedischen Abteilungen terrorisiert und geplĂŒndert, am 7.4. in Brand gesetzt. Wurzen brennt fast vollstĂ€ndig nieder, auch das gesamte stĂ€dtische Archivmaterial verbrennt. 3500 Einwohner werden Opfer der Greuel, 1500 sind geflohen; 500 kehren zurĂŒck.
1638 Wiederaufbau des Rathauses.
1639-1641 Kaum ist mit dem Wiederaufbau begonnen worden, muss die Stadt erneut Kriegslasten tragen und Kontributionen aufbringen.
  Dazu kommen Teuerung und Hunger.
1643.II.22. Schweden unter Torstenson plĂŒndern erneut die Stadt.
1644.VI.15. Brandschatzung durch kursÀchsische und kaiserliche Truppen.
1646 Verheerendes Feuer vor dem Jacobstor. 46 neuerbaute HĂ€user und etliche Scheunen brennen nieder.
1650.III.8. Wieder Großbrand (5 HĂ€user).
1654 Um die im Krieg zerstörten MuldenstĂ€dte mit dem notwendigen Bauholz zu versorgen, kommt das Floßwerk auf der Mulde wieder in Gang. Der Wiederaufbau Wurzens zieht sich bis ans Ende des Jahrhunderts hin (Wenceslaikirche 1678, Turm 1689). Noch in den ersten Jahrzehnten des 18. Jh. liegen einige GrundstĂŒcke wĂŒst.
1656.IV.18. Beim Schmied vor dem Jacobstor bricht Feuer aus, das dort 8 HĂ€user und 5 Scheunen vernichtet.
1661.IX.12. Die meisten HĂ€user auf der Bleiche brennen ab.
1662 Vor dem Jacobstor brennen 21 HĂ€user und 12 Scheunen nieder.
1663.IV.15. Im Wurzener Schloss kommt es zum Abschluss der "Postula-tio perpetua", nach der jeder Landesherr auch ohne weiteres der Stiftsherr wird. Das Wurzener Land wird zunehmend in die kursÀchsische Amtsverfassung integriert.
  Erneut Großbrand vor dem Jacobstor.
1686.VII.9. Durch Blitzschlag in ein Haus vor dem Eilenburger Tor entsteht ein Brand, der 24 HĂ€user vernichtet. Die Stiftsregierung hatte schon im Januar dem Rat die Anschaffung einer Feuerspritze befohlen. Jetzt setzt sie ihre Anordnung durch.
1695 Wurzen besteht aus 380 bewohnten HĂ€usern und 112 wĂŒsten Stellen und gehört damit zu den grĂ¶ĂŸten StĂ€dten des Muldegebietes.
1696 Unter dem sĂ€chsischen KurfĂŒrsten August dem Starken wird im ehemaligen Gaudlitzschen Freigut auf dem Crostigall eine Posthalterei eingerichtet. Sie verbleibt hier bis 1806.
1700-1721 Nordischer Krieg
1704.IX.11./12. Ein Stadtbrand vernichtet 143 HĂ€user und 20 Scheunen (Brandtafel Schuhgasse). Auch die MĂ€dchenschule brennt ab.
1706/07 Wurzen wird von den Schweden besetzt und muss wieder Kriegslasten tragen.
  Zunehmende Besteuerung der BĂŒrger. Die Stiftsregierung verlangt mehrfach vom Rat, die Stadt nicht mit zusĂ€tzlichen Abgaben zu belasten, damit die Kontributionen aufgebracht werden können.
1701 wird schon daran erinnert und gedroht, dass die Abgaben und Steuern ohne Ansehung der Person durch zulĂ€ngliche Zwangs-mittel eingetrieben wĂŒrden.
1702 erscheint die BĂŒrgerschaft bei einer diesbezĂŒglichen „Konfirmation“ (erneuter Belehrung) nicht auf dem Rathaus, und die Stiftsregierung fordert den Rat zu Bestrafungen auf.
1703 Ermahnung des Rats an die BĂŒrgerschaft, sich „verbotener, heimlicher Versammlungen zu enthalten“.
1711 Der Rat beginnt, das „Neue Haus“ zwischen Kannegießergasse und Johannisgasse zu erbauen. Zu diesem Zweck wird mit dem Abbruch der Stadtmauer zwischen Schloss und Eilenburger Tor begonnen. Das fĂŒhrt zu Protesten der Anlieger und zum Eingreifen der Stiftsregierung und zu Zwangsmaßnahmen gegenĂŒber dem Rat. 1712 vollendet, dient dieses RatsgebĂ€ude (auch „Gewandhaus“ genannt) verschiedenen Zwecken, wurde auch als Wohnhaus vermietet und beherbergte ab 1773 Dr. Kanne, den Stiftssyndikus und spĂ€teren SekretĂ€r der Stiftsregierung, dessen Frau, KĂ€thchen Schönkopf, 1776 noch von Goethe besucht wird.
1712.XII.30. Ein kurfĂŒrstliches Mandat legt fest, dass der Warenverkehr und GĂŒtertransport, die bisher ĂŒber die BrĂŒcken von Grimma und Eilenburg gingen, nunmehr auch ĂŒber Wurzen erfolgen dĂŒrfen. Nach Trockenlegung der sumpfigen Aue hat sich hier ein gĂŒnstiger MuldenĂŒbergang gebildet.
1717 In Leipzig erscheint Schöttgens „Historie der Chur-SĂ€chsischen Stiffts-Stadt Wurtzen“. Die BĂŒrgerstadt besteht aus 110 HĂ€usern innerhalb und 270 HĂ€usern außerhalb des Mauerringes.
  Nachdem bereits 1690 der Wurzener Geleitsmann einen Vorschlag zum Bau einer BrĂŒcke ĂŒber die Mulde gemacht hatte, weil der FĂ€hrbetrieb allzu oft behindert und gestört ist, erklĂ€rt sich der Rat bereit, einen Teil der Baukosten zu ĂŒbernehmen. Er legt sich aber nur auf ein Drittel der Kosten fest, beansprucht dagegen die HĂ€lfte der zu erwartenden BrĂŒckengeldeinnahmen.
um 1720 Das Vorfeld der Stadt (Stadtfelder und GĂ€rten) wird schrittweise umgestaltet.
  Die Stadt umschließt im Norden und Nordosten die von Stadt-richter Reinhardt angelegte „Lange Gasse“ (Straße des Friedens).
  Die Stiftsregierung drĂ€ngt den Rat wiederholt, noch wĂŒst liegende GrundstĂŒcke zu bebauen.
1722 Brand des Rathauses. Beim Wiederaufbau wird das Material der Stadtmauer verwendet.
1724 Die Stadt muss 3 PostdistanzsĂ€ulen vor den Außentoren errichten.
1725 Bau des Siechhauses als Erweiterung des Johannishospitals.
1732 - 1737 Es können keine Ratswahlen stattfinden, da gegen einzelne Mitglieder des Rats ein Strafverfahren im Gang ist, das Amts-enthebungen nach sich zieht. Der Rat schmilzt von 7 auf 4 Mitglieder zusammen. Aufdeckung wiederholter Korruption im Rat.
1734 Bau des wappengeschmĂŒckten Posttores auf dem Crostigall.
1743 Wurzen wird Etappenort der Kurierpost.
  Von der Stiftsregierung wird dem Rat die Abschaffung der Stroh- und SchindeldĂ€cher „anbefohlen“.
1750.V.22. Die 18-jÀhrige Kindesmörderin Johanna Margarethe BÀr wird mit dem Schwert hingerichtet.
1750.VII.12. Das Hochwasser der Mulde fordert zwei Opfer (Vater und Sohn).
1752.VIII.3. Durch gewaltige SommerniederschlÀge kommt es zu einem starken Muldenhochwasser.
1756.VIII.9.-1763.II.17. SiebenjÀhriger Krieg
  Durch das preußische Feldkriegsdirektorium werden der Stadt neben Naturalleistungen Kontributionen in Höhe von nahezu 60 000 Talern auferlegt und „militĂ€rische Execution“ angedroht.
1758.X.5./9. ScharmĂŒtzel zwischen Preußen und Österreichern in und um Wurzen.
1768 Goethe kommt auf seiner Reise von Leipzig nach Dresden und zurĂŒck durch Wurzen. Das lange Warten an der FĂ€hre dĂŒrfte ihn spĂ€ter zu der Textstelle im „Urfaust“ veranlasst haben: „Bey Wurzen ist’s fatal, da muß man so lang auf die FĂ€hre manchmal warten.“
1771 Durch die extrem lange Frostperiode kommt es zum grĂ¶ĂŸten Muldenhochwasser des Jahrhunderts am 3. und 25.6.
  Bedingt durch die Missernten der letzten Jahre, kommt es gegen Jahresende zu einer großen Hungersnot. Zur Bezahlung des in Holster bei Eisleben gekauften Getreides (100 Scheffel Ă  7 Taler) muss ein Darlehen von 800 Talern aufgenommen werden.
1779 Die Stadt hat 2600 Einwohner.
1799 Anregung des Wurzener Postmeisters zu einem BrĂŒckenbau.
  Wegen der erforderlichen teuren Reparatur der Eilenburger BrĂŒcke wird das Projekt zurĂŒckgestellt. Auch noch 1803 gehen Initiativen zum BrĂŒckenbau von der Post aus. Wiederum verhindern Reparaturen an der Eilenburger BrĂŒcke das Projekt.
um 1800 1798 umfasste die Stadt 390 WohnhÀuser mit 1889 Einwohnern. 1801 besitzt sie laut Ratsbericht 382 WohnhÀuser mit 2057 Einwohnern.
  Der Kaufmann Friedrich Barth aus Torgau betreibt in der Johannisgasse 5 eine Spinnerei, in der seit 1798 vor allem Kinder zu Niedrigstlöhnen beschĂ€ftigt sind. 1802 geht dieser Ansatz kapitalistischer Industrialisierung wieder ein.
1802.IV.26. Das Rathaus brennt nieder. Bis 1803 wird der jetzt noch vorhandene Bau errichtet (Kostenanschlag 15 735 Taler).
1806 In der Post- und FĂ€rbergasse brennen 62 HĂ€user ab.
  Die Poststation wird vom Crostigall in die Jacobsvorstadt verlegt (in das Weselowskische Stadtgut, spĂ€ter Marxens Hof).
1806.VIII.6. Das Ende des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation.
1806-1814/15 Napoleonische und Befreiungskriege
1806.X.16. Französische Soldaten besetzen nach der Schlacht bei Jena und Auerstedt Wurzen.
1810 Die ersten Kleingartenanlagen, die „Pflanzebeete“, entstehen auf dem frĂŒheren Kuhwerder am MĂŒhlgraben nördlich der Bleiche.
1811 Die StadtmĂŒhle brennt ab.
1811/12 Anhaltende DurchmĂ€rsche französischer und anderer Truppen, von Teilen der Großen Armee, die im Juni 1812 in Russland einfĂ€llt.
1813 Einquartierungen wĂ€hrend des FrĂŒhjahrsfeldzuges.
  Russische Pioniere bauen im April eine FloßbrĂŒcke ĂŒber die Mulde.
  Am 6.10. erreichen streifende Kosaken unvermutet die Stadt.
  Napoleon nimmt mit dem 3. Armeekorps in der Nacht vom 8. zum 9.10. in Wurzen Quartier (Napoleon im Lossowschen Haus, Domgasse 2).
  Am spĂ€ten Nachmittag des 16.10. erstĂŒrmen Kosaken die Stadt und beenden damit die napoleonische Fremdherrschaft in Wurzen. Am 17.10. kommt es zu einem Gefecht am Kieselberg, französische Infanterie auf dem Marsch zum Wurzener MuldenĂŒbergang wird von Kosaken und österreichischen Einheiten angegriffen.
  WĂ€hrend der Völkerschlacht wird Wurzen Lazarettort (Heilig-Geist-Kirche). Insgesamt werden wĂ€hrend der Kriege 254 fremde Soldaten im „Soldatenwinkel“ auf dem Wurzener (Alten) Friedhof begraben.
  Von MĂ€rz bis Dezember 1813 mĂŒssen die Wurzener an Kriegslasten 133 783 Taler 24 Groschen und 9 Pfennige tragen. Die Stadt ist tief verschuldet, die Schuldentilgung wird Jahrzehnte in Anspruch nehmen.
1814.VII.17. Große Parade des „Banners der freiwilligen Sachsen“, eines nach der Völkerschlacht bei Leipzig gebildeten Truppenteils unter russischer Fahne, vor Zar Alexander von Russland, der aus diesem Anlass in Wurzen weilt.
1817/18 Sanierungsarbeiten im Dom. Die barocke Innenausstattung verschwindet vollstĂ€ndig, ebenso verbliebene Zeugnisse aus vorreformatorischer Zeit, sie werden durch „Tischlergotik“ ersetzt.
1818 Aufhebung des Stiftsamtes. Bis 1838 bildet das Stiftsland den Amtsbezirk Wurzen im Königreich Sachsen. Die Stiftsregierung wird 1819 aufgehoben.
1819 Wurzen wird königlich-sĂ€chsische Garnisonsstadt. Ein JĂ€ger-Bataillon ist zunĂ€chst in der „Alten Kaserne“, einem StiftsgebĂ€ude auf dem Domplatz, untergebracht.
1825 GrĂŒndung der Wolf von Arnimschen Braunkohlengruben Zeititz-Wurzen.
1826 Die Stadt kauft mit ihrer aus 149 EigentĂŒmern bestehenden brauberechtigten BĂŒrgerschaft die spĂ€tere Stadtbrauerei fĂŒr 2 330 Taler von der FĂŒrstin Reuß (Thallwitz).
1828 Mit dem Abbruch des Wenzelstores wird ein Vorgang eingeleitet, in dem sich Wurzen nach und nach von seiner noch weitgehend mittelalterlich geprÀgten Physiognomie trennt.
VII.08. Ferdinand von Funck, sÀchsischer Offizier und Diplomat wÀhrend der Napoleonischen Kriege, stirbt in Wurzen, wo er seine letzten Lebensjahre verbracht hat.
1830/31 RevolutionÀre Volksbewegungen in Sachsen
  Ein Antrag der Wurzener BĂŒrgerschaft vom 30.10.1830 an den Rat enthĂ€lt u.a. die Forderung nach totaler Umwandlung der Landesverfassung und nach Wahl der Stadtverwaltung durch Stadtverordnete. Am 1. und 2.3.1831 erfolgen erstmalig Wahlen im Stadt-, Wenzels-, Eilenburger und Jacobsviertel.
  Die Stadt umfasst nunmehr 447 WohngrundstĂŒcke mit 3 800 Einwohnern.
  Der sĂ€chsische Landbaumeister Königsdörffer baut die StraßenbrĂŒcken ĂŒber Mulde, Aue und MĂŒhlgraben. Die FĂ€hre ist aufgehoben worden. Freigabe der StrombrĂŒcke nach 7-monatiger Bauzeit am 19.12.1830. 1831 Bau der MĂŒhlgrabenbrĂŒcke. Übergabe der LandbrĂŒcke am 17.9.1832. Verzögerungen durch Unruhen unter den Bauarbeitern.
1832.II. Neue StÀdteordnung in Sachsen. Die Gemeinden erhalten die Selbstverwaltung.
  Durch die Eigengerichtsbarkeit einzelner Stadtteile oder EigentĂŒmer (1806 von 543 HĂ€usern 50 „unter dem Stift“, 89 „unter dem Amt“ und 404 „unter dem Rat“; dazu Eigengerichtsbarkeit des Steinhofes und der StadtmĂŒhle) wird die Erarbeitung eines „Local-Statuts“ sehr erschwert.
1833.X.16. Erstmals erscheint eine Lokalzeitung: das „Wurzener Wochen- und Intelligenzblatt“, gedruckt in der Druckerei Jacob auf dem Domplatz.
1834 Wurzen hat 4618 Einwohner.
1835 Königsdörffer lĂ€sst im November an der Mulde mit dem Bau der EisenbahnbrĂŒcke beginnen.
1836 GrĂŒndung der Zigarrenfabrik Hartenstein und der Möbelhandlung Zimmermann.
1837 GrĂŒndung der Maschinenfabrik H. Aug. Schmidt.
1838.VII.31. Das TeilstĂŒck Leipzig-Wurzen der ersten deutschen Ferneisenbahnlinie ist fertiggestellt. Die Eisenbahn fĂ€hrt zum ersten Male bis Wurzen.
1839 Fertigstellung der Eisenbahnlinie. Einweihung am 7.4.1839. Am 20.4. erstes EisenbahnunglĂŒck auf dem Bahnhof.
  Abbruch des Jacobstores.
  Bau eines MilitĂ€rhospitals vor dem Eilenburger Tor.
  Im November und Dezember Vorbereitungen zur Vereinigung der „Capituls-Gemeinde“ (unter dem Stift, Domplatz) und der beiden Amtsgemeinden Crostigall und Gaudlitz mit der Stadtgemeinde.
1840 In der Stadt leben 4 825 Einwohner.
  Die Stadt wird zunehmend fĂŒr auswĂ€rtiges Kapital interessant. Verschiedene gĂŒnstige Standortfaktoren garantieren Profit:
  · gĂŒnstige Lage zum Wasser (Mulde und MĂŒhlgraben), · nunmehr sehr gute Verkehrslage, · leistungsfĂ€higes agrarisches Umland als Absatzgebiet, Rohstoffquelle, ArbeitskrĂ€ftereservoir mit niedrigem Lohnniveau, · niedrige Bodenpreise, · „FĂŒhlungsvorteile“ durch die NĂ€he der Messestadt.
  August SchĂŒtz aus Hannover grĂŒndet die Wurzener Tapetenfabrik. Einbeziehung des „Neuen Hauses“ in die Tapetenfabrik.
  Die eigentliche Industrialisierung beginnt.
1840 Die stÀdtische Gerichtsbarkeit wird an den Staat abgetreten.
  EinfĂŒhrung des neuen sĂ€chsischen MĂŒnzsystems: · 1 Taler = 30 Neugroschen · 1 Neugroschen = 10 Neupfennig
1843. August Erst nachdem die Gerichtsbarkeit an den sÀchsischen Staat abgetreten worden ist (1841), kann die neue StÀdteordnung auch in Wurzen in Kraft treten.
1844 Abbruch des Eilenburger Tores und des Torturms.
1845 GrĂŒndung einer Tonwarenfabrik und Ziegelei in Bennewitz (durch Carl und Gustav Harkort aus Leipzig).
  GrĂŒndung einer Papierfabrik am MĂŒhlgraben.
  Der demokratisch gesinnte Rechtsanwalt Julius Theodor Schmidt (geboren 1811 in Wurzen) wird zum BĂŒrgermeister gewĂ€hlt.
1847 Erwerb der StadtmĂŒhle durch Friedrich Krietsch. In der Folgezeit Ausbau der MĂŒhle zum ersten Großbetrieb der Stadt (Übergang von der Lohn- zur HandelsmĂŒllerei; 1869 Wegfall des Mahlzwanges und Aufnahme der BrotbĂ€ckerei; 1875 Aufnahme der BisquitbĂ€ckerei; 1883 Aufgabe der BrotbĂ€ckerei). Die Entwicklung dieses Betriebes stimuliert nachhaltig die Entwicklung anderer Gewerbe und Industrien in der Stadt.
  GrĂŒndung des Turnvereins 1847.
  Verlegung der Post aus dem PostgebĂ€ude am Rondell in die Eichlerschen HĂ€user in der Schulgasse (Domplatz).
  Am 14.7. Eröffnung einer „Spar- und Leihcasse“ im Rathaus.
1848/1849 BĂŒrgerlich-demokratische Revolution in Sachsen.
1848 Im FrĂŒhjahr kommt es in Wurzen zum ersten Male zur Bildung zweier politischer Vereine: des „Deutschen Vaterlandsvereins“, der sich auf das stĂ€dtische KleinbĂŒrgertum stĂŒtzt und die demokratische Umgestaltung Deutschlands fordert (Versammlungsort ist „Stadt Leipzig“ am Bahnhof), und des „Deutschen Vereins“ der Wurzener Offiziers- und Beamtenkreise sowie der Grundbesitzer, denen es um den Erhalt der Monarchie geht (Versammlungsort ist das „BlĂŒtgensche Restaurant“ in der FĂ€rbergasse).
  BĂŒrgermeister Schmidt wird im Mai in die Frankfurter Nationalversammlung gewĂ€hlt (er tritt sein Mandat im Herbst an den Wurzener Advokaten Carl Ludwig Langbein ab).
  Unter dem Einfluss der Ereignisse in Sachsen gestaltet sich der traditionelle SchĂŒtzenaufzug am Donnerstag nach Pfingsten (13.6.) zu einem Volksfest, bei dem auf dem BĂŒrgerwerder eine „FreiheitssĂ€ule“ errichtet wird.
1849 Wegen offener UnterstĂŒtzung des Dresdener Maiaufstands wird Schmidt am 10.5. im Rathaus durch sĂ€chsisches MilitĂ€r verhaf-tet und spĂ€ter wegen Hochverrats angeklagt.
1850 In der Nacht vom 3. zum 4.4. gelingt Schmidt mit Hilfe von Freunden die Flucht aus dem Wurzener AmtsgerichtsgefÀngnis. Er wandert nach Amerika aus.
1851 Nach einjĂ€hriger Bauzeit wird im MĂ€rz ein Krankenhaus mit 14 Betten ĂŒbergeben (August-Bebel-Straße 40).
  GrĂŒndung der Beleuchtungskörperfabrik F. August DĂ€mmich.
1852 Wurzen hat im November 5 256 Einwohner (wie am Ende des 16. Jh.)
1853 Bau einer BĂŒrgerschule am Domplatz (neben der alten Lateinschule.
1854 Postdirektor Just lĂ€sst in der Bahnhofstraße (heute Nr. 26) ein neues PostgebĂ€ude errichten.
1856 Woll- und Velourstaubfabrik SchĂŒtz gegrĂŒndet (die spĂ€tere Teppichfabrik).
1857 GrĂŒndung einer „Kleinkinderbewahranstalt“.
  GrĂŒndung der Schokoladenfabrik A. Uhlitzsch (spĂ€ter BHG).
  GrĂŒndung der Kartonagenfabrik Zimmermann & Breiter.
1859 Eröffnung eines Steinkohlengaswerkes. Wurzen erhÀlt die erste Stadtbeleuchtung.
  GrĂŒndung der Möbelfabrik Hermann Streil in der Domgasse.
1861 Die Pianofortefilzfabrik J. D. Weickert (1847 in Leipzig gegrĂŒndet) wird von Golzern nach Wurzen verlegt.
  Eröffnung der WollwĂ€scherei Schroth (1831 als Weißgerberei gegrĂŒndet).
1862 GrĂŒndung der SĂ€chsischen Bronzewarenfabrik K. A. Seifert.
1865 Die Wurzener Zigarrenmacher grĂŒnden in der „PfeffermĂŒnze“ (spĂ€ter „BĂŒrgergarten“) eine „Kranken- und UnterstĂŒtzungskasse“. Das ist die erste Organisationsform der Wurzener Arbeiterschaft ĂŒberhaupt.
1866 Preußisch-Oesterreichischer Krieg.
  Besetzung Wurzens durch preußische Truppen.
  GrĂŒndung der Hanfgurt- und Treibriemenweberei, Drahtseil- und Drahtzaunfabrik A. W. Kaniß.
1867 Eröffnung einer „Dampfschiffahrt“ auf MĂŒhlgraben und Mulde.
1870/71 Deutsch-französischer Krieg
  11 Wurzener fallen in Frankreich (Obelisk auf dem Wettinerplatz von 1889, "WettinsĂ€ule").
nach 1870 Das Wurzener Ostviertel entsteht.
1871 Kleindeutsche Reichseinigung unter FĂŒhrung Preußens.
  Die Stadt hat 7 851 Einwohner.
1872 Maschinenfabrik, Eisengießerei und Kesselschmiede Richard Klinkhardt gegrĂŒndet.
  GrĂŒndung der Apparatebauanstalt A. Naumann.
  Bau zahlreicher neuer Brunnen. Die alten Röhrtröge verschwinden.
1873/74 EndgĂŒltige Neuordnung der lokalen Staatsbehörden in Sachsen. Trennung von Justiz (Amtsgerichtsbezirk Wurzen) und Verwaltung (Amtshauptmannschaft Grimma).
1873 GrĂŒndung einer Realschule, aus der 1879 ein Gymnasium hervorgeht.
1874 Das PostgebĂ€ude wird von der kaiserlichen Postverwaltung ĂŒbernommen. Bei dieser Gelegenheit befindet sich der Generalpostdirektor Stephan in Wurzen. Bereits 36 Ortschaften gehören zum Landbezirk des Postamtes Wurzen.
1876 GrĂŒndung des LĂ€ndlichen Wirtschaftsvereins KĂŒhren.
1877 Fertigstellung der Muldentalbahn. Wurzens „Nordbahnhof“ (heute Amtsgericht) wird Endstation dieser Strecke. Am 1.7. fĂ€hrt die Eisenbahn zum ersten Male auf dieser Strecke bis Wurzen. Stillegung des Bahnhofs 15.10.1879.
1878 Eröffnung der Landwirtschaftlichen Kreisschule.
1879 GrĂŒndung der Maschinenfabrik und Eisengießerei G. A. SchĂŒtz (spĂ€ter MAFA).
1880 Georg Juel, Besitzer der Teppichfabrik, lĂ€sst am nördlichen Stadtrand einen Park anlegen (sĂŒdlicher Teil des heutigen Stadtparkes).
  Wurzen hat 9 719 Einwohner.
  GrĂŒndung der Wurzener Gardinen- und Spachtelfabrik Paul Blei & Co.
1881 Übergabe des 1880/81 erbauten SchulgebĂ€udes Domplatz 7/8 (1891-1949 MĂ€dchenschule, 1949-1991 Grund-, Mittel- und Oberschule, 1991-1996 Gymnasium, nach Umbau seit 1998 Berufliches Schulzentrum).
1881/1882 Walter Hasenclever wohnt nach seiner Ausweisung aus Leipzig wÀhrend des Sozialistengesetzes (1878-1890) in Wurzen.
1882 GrĂŒndung der Maschinenfabrik Aug. Deutloff.
  GrĂŒndung der Wurzener Kartonagenfabrik Paul Kraner.
  Julius KĂŒnzel wird aus Leipzig ausgewiesen und lĂ€sst sich in Wurzen nieder. Er ist mit August Bebel und Wilhelm Liebknecht befreundet. Die beiden kommen aus Borsdorf oft ins Wurzener Land und halten z.B. im Waldhaus „Waidmannsheil“ im Planitzwald heimliche Beratungen auch mit Wurzener Sozialdemokraten ab. Das fördert nachhaltig den Einfluss der Sozialdemokratie auf die Wurzener Arbeiterschaft.
1884 GrĂŒndung einer Bauarbeiter- und Tischlergewerkschaft.
  In der Folgezeit entstehen bis 1890 als VorlĂ€ufer von Gewerkschaften FachverbĂ€nde u.a. der Maler, Buchdrucker, Steindrukker.
1885 GrĂŒndung der Wandtafelfabrik von Oskar JĂ€ger & Co.
  GrĂŒndung der Buchdruckerei Reinhold MĂŒller.
1886-1889 Bau der JĂ€gerkaserne auf dem GelĂ€nde des ehemaligen Muldentalbahnhof (nach Heeresreform 1900 Infanteriekaserne, 1920/26 Ausbau u.a. zum „Stadthaus“).
1886 GrĂŒndung der Filz- und Schuhwarenfabrik Wilhelm HĂ€ntzschel.
  Die Söhne Friedrich Krietschs sehen sich gezwungen, den Familienbetrieb („KrietschmĂŒhle“) in eine Aktiengesellschaft umzuwandeln.
1887 GrĂŒndung des Arbeiter-Bildungsvereins, 1893 in „Volks-Bildungs-Verein“ umbenannt.
  Einweihung des Neuen Friedhofs.
1888 Umbau des BahnhofsgebÀudes.
1889 5-wöchiger Bauarbeiterstreik.
  Chemische Fabrik Gebr. Kluge gegrĂŒndet.
  GrĂŒndung der Wurzener Bank.
  GrĂŒndung der Maschinenfabrik fĂŒr Transportanlagen G. F. Lieder.
  GrĂŒndung der Transportanlagenfabrik Max Schönert.
  Baubeginn fĂŒr neues Postamt (fertiggestellt 1890).
1890 Abriss des Domtores als des letzten Stadttores.
1890/91 Bau der Knabenschule (heute Pestalozzi-Mittelschule).
1890 Wurzen hat 14 635 Einwohner.
  GrĂŒndung einer Handelslehrlingsanstalt (die spĂ€tere Handelsschule).
1891 Einrichtung einer Stadtfernsprecheinrichtung mit zunÀchst 35 Teilnehmern und einer Fernsprechleitung nach Leipzig.
1892 Der Zigarrenmacher August Fleischer vertritt erstmalig die Wurzener Sozialdemokraten im Stadtparlament.
1893 Das Rohrnetz fĂŒr die zentrale Wasserversorgung der Stadt wird verlegt und der Wasserturm erbaut. Im Oktober wird die Anlage in Betrieb genommen.
1894 Das neue StĂ€dtische Wasserwerk ĂŒbernimmt die zentrale Wasserversorgung der Stadt.
  GrĂŒndung des Arbeiter-Turn-Vereins.
  Eine Zeitlang ist Julius KĂŒnzel der einzige sozialdemokratische Stadtrat in Sachsen (bis 1890).
1898 GrĂŒndung der Transportanlagenfabrik Otto Scheufler.
1899 Streik der Bauarbeiter um höhere Löhne und Herabsetzung der 12-stĂŒndigen Arbeitszeit. 5 Betriebe mit 169 Maurern werden bestreikt.
1900 Wurzen hat 16 614 Einwohner. Die Stadt vergrĂ¶ĂŸert sich nach Osten bis zur Marienstraße.
  GrĂŒndung der Maschinenfabrik Adolf Busse.
1901 Eröffnung einer Reichsbanknebenstelle im Badergraben.
1902 Umbau der Liegenbank; ihre Keller werden verfĂŒllt und vermauert. Der Markt erhĂ€lt ein neues Pflaster.
  Fertigstellung der Artilleriekaserne nördlich des Stadtparks.
  Weihung der katholischen Kirche (erbaut 1896/99).
  Abriss des letzten Backhauses auf der Bleiche.
  GrĂŒndung der Pantographenfabrik Neidhardt.
1903 Bildung einer selbstÀndigen Unterbezirks der SPD.
1904 Die Gesellschaft fĂŒr gleislose Bahnen Max Schiemann & Co. siedelt sich in Wurzen an und baut fĂŒr die MĂŒhlenwerke AG 1905 eine gleislose elektrische GĂŒtertransportbahn (in Betrieb zum König-Albert-Schacht bis 1911, zur RoggenmĂŒhle am GĂŒterbahnhof bis 1928).
1906 Eröffnung des ersten Wurzener Kinos im Gasthof zur Rose.
  Eröffnung des Jacobschen "Privat-Orts-Museums".
1907 WÀhrend eines Manövers hÀlt sich König Friedrich August III. in Wurzen auf.
  GrĂŒndung der Commerz- und Privatbank (A.-G.) im Badergraben.
1908.IV.22./23. Die Tapetenfabrik SchĂŒtz brennt ab. Das zu ihr gehörende barocke "Gewandhaus" wird abgerissen.
  Aus dem Erlös einer Lotterie wird auf dem Wachtelberg ein Aussichtsturm ("Bismarckturm") errichtet.
  GrĂŒndung der Wurzener Terraingesellschaft G.m.b.H.
1909 GrĂŒndung des Wurzener Geschichts- und Altertumsvereins.
.IV.01. Einweihung des Bismarckturmes auf dem Wachtelberg.
  GrĂŒndung der Wurzener Metallwarenfabrik.
1911 Wurzen erreicht mit 18 500 Einwohnern einen neuen Wachstumshöhepunkt.
  Umfassende Erweiterung des Bahnhofs.
  Einweihung des neuen Stadtkrankenhauses (erbaut 1909/11).
  Mit der Inbetriebnahme der Umformerstation zieht die ElektrizitĂ€t in Wurzen ein.
.III.27. Als erstes sÀchsisches FlÀchennaturdenkmal wird der Wachtelberg unter Schutz gestellt.
.V.06.-X.31. Auf der 1. Internationalen Hygiene-Ausstellung in Dresden wird das Wurzener Projekt „Gartenvorstadt Ost“ im Bereich „Deutsche StĂ€dte“ prĂ€sentiert.
  Eröffnung einer Filiale der Allgemeinen Deutschen Credit-An-stalt in der Wenceslaigasse.
.XII.12. "Vater Schöne" beendet als letzter TĂŒrmer auf der Wenceslaikirche seinen Dienst.
1913 Auf dem Turm der Wenceslaikirche wird erstmals eine stÀdtische Uhr eingebaut, die die Firma Lieder der Stadt geschenkt hat.
1914 Wurzen hat 19 200 Einwohner.
1914VIII.1.-1918XI.11. 1. Weltkrieg.
  Über 700 MĂ€nner aus Wurzen lassen ihr Leben auf den Schlachtfeldern des Krieges.
1916/17 Flugplatzbau hinter der Infanteriekaserne. Unter schwierigen VerhĂ€ltnissen und unter Einsatz vor allem von Frauen wird ein etwa 120 ha großes GelĂ€nde erschlossen.
1917. Nov. In der Kaserne wird eine Fliegeraufbauschule eingerichtet.
XI.27. Die MĂŒhlenwerke werden durch ein Großfeuer vernichtet.
  Bereits 1918 wird mit dem Neubau des Betriebs begonnen, dem ab 1919 die benachbarte "Bleiche" vollstĂ€ndig zum Opfer fĂ€llt.
1918.VIII.27. Ein Windhose zieht aus Richtung NeumĂŒhle in Richtung Roitzsch und KĂŒhnitzsch und richtet u.a. bei der Firma G. F. Lieder (Dresdener Straße 64) großen Schaden an.
1918 Novemberrevolution in Deutschland. Ende der monarchischen Staatsform im Reich und in den deutschen Staaten.
  Am 8.11. bilden sich in der Fliegeraufbauschule und in der Artilleriekaserne SoldatenrĂ€te, die sich am 10.11. mit dem Wurzener Arbeiterrat vereinigen. Friedenskundgebung des Arbeiter- und Soldatenrates am 11.11. auf dem Markt. VorĂŒbergehende Suspendierung der Stadtverwaltung durch die RĂ€te.
1919 Nach dem Versailler Vertrag Entmilitarisierung der Stadt.
  Das MannschaftsgebĂ€ude der Infanteriekaserne wird zum "Stadthaus" umgebaut (1920-1929), die Artilleriekaserne wird zu Wohnzwecken und durch verschiedene Gewerbe genutzt.
1920 Sachsen wird "Freistaat".
  WĂ€hrend des Kapp-Putsches verhindern Arbeiter die Fahrt eines Panzerzugs der Reichswehr, indem sie bei Bennewitz die Eisenbahngleise zerstören.
  Starker Anstieg der Arbeitslosigkeit. Die Erwerbslosen erzwingen die Aufnahme des Bahnbaus Wurzen-Eilenburg.
1923 Auf dem Höhepunkt der Nachkriegskrise spektakulĂ€re Selbsthilfeaktion Wurzener Arbeiter unter der FĂŒhrung der kommunistischen StadtrĂ€te Albert Kuntz und Bruno Lau: Ermittlung und Beschlagnahme von Lebensmitteln auf RittergĂŒtern in der Umgebung. Besetzung Wurzens durch Landespolizei und Reichswehr am 22.10.
  VerlĂ€ngerung der Reichsstraße (Hermann-Ilgen-Straße) bis zum Bahnhofsvorplatz.
1924.II.18. Die ehemalige Schönert-MĂŒhle (seit 1902 die RoggenmĂŒhle der Krietschwerke) fĂ€llt einem Großfuer zum Opfer. Der strenge Frost erschwert die Löscharbeiten.
1924.IV.1. Ausgliederung Wurzens als kreisfreie Stadt aus der Amtshauptmannschaft Grimma.
  Die Stadt umfasst eine FlĂ€che von 1075 ha 20,8 a und hat 18 500 Einwohner.
1924/25 2. Bauabschnitt der MĂŒhlenwerke. Das alte FließengefĂŒge der MĂŒhlgrabenarme (Gelbe Lache, WĂŒstes Gerinne) verschwindet vollstĂ€ndig. Als Rest bleibt nur der Gura-See (nach dem Aufsichtsratsvorsitzenden Gustav Rathgen) erhalten.
1925 Bau des SpeichergebĂ€udes (Kornhaus) in der Dresdener Straße.
  Wurzen hat 18 286 Einwohner. Davon sind 9 062 erwerbstĂ€tig, 70 % in der Industrie.
  Einrichtung einer Jugendherberge in den KammergebĂ€uden der frĂŒheren Infanteriekaserne.
1925-1927 Bau des Betriebskanals fĂŒr das Wasserkraftwerk Canitz. Der MĂŒhlgraben wird von seinem Anfang bis in Höhe des spĂ€teren Stadtbades verrohrt. Sprengung der KuhmuldenbrĂŒcke.
  Erweiterung des GelĂ€ndes der Teppichfabrik ĂŒber den einstigen Kuhwerder.
1925/1926 Ausbau des Goldenen TĂ€lchens zu einem Freibad.
1926.XI.14. Die Wahlen zur Stadtverordnetenversammlung bringen erstmals eine Linksmehrheit (10 SPD und 3 KPD; 12 "BĂŒrgerliche").
1927.I.24. Georg Boock wird erster sozialdemokratischer BĂŒrgermeister und löst Friedrich Seetzen (DNVP) ab, der 27 Jahre im Amt war.
IV.1. Eröffnung des Heimatmuseums im Rathaus.
1927 Abriss der Drahtseilbahn LĂŒptitz-Bahnhof Wurzen.
  Eröffnung der Eisenbahnstrecke Wurzen-Eilenburg.
  Anlage des Stadtbades auf dem FĂ€hrwinkel.
1928/1929 Auflebendes Baugeschehen: Der Wohnungsbau (u.a. auch fĂŒr kinderreiche Familien) steigert sich bis auf 193 Wohnungen im Jahre 1929. Es entstehen die Neubauten am Rosenweg, in der Friedrich-Ebert-Straße, in der Marienstraße u.a. Es entstehen die GebĂ€ude der Konsum- und Spargenossenschaft, der Ortskrankenkasse, das Sport- und Gewerkschaftsheim, der StĂ€dtische Wirtschaftshof, die VolkskĂŒche u.a.
1929/1930 Anstieg der Arbeitslosigkeit in Folge der Weltwirtschaftskrise.
  Als Notstandsarbeiten werden ausgefĂŒhrt die UnterfĂŒhrung am Dehnitzer Weg und Straßenarbeiten.
  Aus Mitteln der Hermann-Ilgen-Stiftung wird das Mahnmal fĂŒr die Gefallenen des 1. Weltkrieges am Alten Friedhof errichtet.
1930/1931 Abbruch der hölzernen LandbrĂŒcke und Bau einer steinernen BrĂŒcke von 225 m LĂ€nge (Fertigstellung 15.1.1931)
1932 Am 31.1. werden in Wurzen 6 800 Arbeitslose registriert, von denen 5 855 eine UnterstĂŒtzung erhalten. In der Stadtverordnetenversammlung kann am 28.5. der Haushalt wegen zu hohen Defizits nicht verabschiedet werden.
.X.23. Nach umfassender Restaurierung Wiedereröffnung des Doms, der u.a. mit Bronzeplastiken von Georg Wrba ausgestattet wurde.
1933 Machtergreifung durch die Nationalsozialisten. Ab 24.4. keine Kommunisten, ab 19.5. auch keine Sozialdemokraten mehr in der Stadtverordnetenversammlung.
.IV.1. Erster Boykott jĂŒdischer GeschĂ€fte in der Stadt.
1935 Remilitarisierung der Stadt. In die Artilleriekaserne zieht ein Flak-Regiment ein.
1938.XI.9. VerwĂŒstung der jĂŒdischen GeschĂ€fte. Inhaftierung der jĂŒdischen Familien. Fast alle jĂŒdischen BĂŒrger verlassen in den nĂ€chsten Monaten die Stadt und emigrieren ins Ausland. Hugo und Hedwig Luchtenstein werden 1942 von Leipzig aus in ein Vernichtungslager abtransportiert.
1939.IX.1.-1945.V.8. Zweiter Weltkrieg.
1939.IX.4. Als erster Wurzener fÀllt in Polen der 20-jÀhrige Erhard Heinz Junghans. Bis zum 25.10.1945 beurkundet das Standesamt Wurzen 650 "KriegssterbefÀlle".
1940 In der MĂ€dchenschule auf dem Domplatz, im Schweizergarten und in der Broncewarenfabrik werden „Volksdeutsche“ aus dem Osten untergebracht.
.MĂ€rz Die Waggonfabrik Uerdingen errichtet an der LĂŒptitzer Straße ein Ringfederwerk.
  Die Milei-Gesellschaft aus Stuttgart siedelt sich in Wurzen an.
1941.Juni Anhaltende Truppentransporte nach dem Osten.
1942 Schließung der MĂ€dchenschule wegen Kohlemangels.
1943.Sommer Ausgebombte aus Aachen und Köln treffen in Wurzen ein.
  1. Auffanglager in der Knabenschule.
.X.20. Erster Bombenangriff auf die Stadt fordert ein Opfer.
1944 Einrichtung von GroßkĂŒchen.
  Bau von 20 BehelfsunterkĂŒnften an der Collmener Straße.
  Fliegeralarme nehmen zu.
.X.7. 12.48 Uhr Bombenangriff auf den SĂŒdosten der Stadt ( 21 Tote und 150 Obdachlose).
1945 Bombenangriffe Anfang April fordern 12 Tote.
.IV.12. KZ-HĂ€ftlinge und Zwangsarbeiter berĂŒhren auf ihrem Todesmarsch auch Wurzen.
.IV.16. Sprengung sĂ€mtlicher Mulde- und KanalbrĂŒcken auf Befehl des Kampfkommandanten, nachdem amerikanische Panzer Bennewitz erreicht haben.
.IV.24. Kampflose Übergabe der Stadt an die Amerikaner durch OberbĂŒrgermeister Dr. Armin Graebert.
.V.5. Besetzung Wurzens durch die Rote Armee (bis 23.2.1993).
  Die Amerikaner ziehen sich auf das westliche Muldenufer zurĂŒck. Der Fluss wird Demarkationslinie (bis 1.7.).
1945.V.8.-1990.X.2. Ostdeutsche Kleinstadt unter sowjetischer Besatzung.
1945.Sommer Beginn der "antifaschistisch-demokratischen UmwÀlzung".
  Konstituierung von Ortsgruppen antifaschistischer Parteien: KPD am 27.6., SPD am 27.7., LDPD und CDUD im August.
.IX.19. Einsetzung eines Stadtrates durch die sowjetischen Behörden.
  In ihm dominiert die KPD entgegen ihrer tatsĂ€chlichen Mitgliederzahl.
.Oktober Beginn der Schulreform und der Bodenreform.
  Die Stadt hat am 6.10. insgesamt 15 328 Einwohner, darunter 2 080 Umsiedler.
1946 Bis Ende Februar gehen insgesamt 313 700 Vertriebene aus den Ostgebieten und dem Sudetenland durch die Wurzener Lager, die von der "Transportleitung Osten" unterhalten werden.
1948 Erste "volkseigene Betriebe" werden gebildet (Drahtseilwerk, Teppichfabrik).
1949.IX.1. Erste HO-GeschÀfte in der Wenceslaigasse und auf dem Markt, in denen ohne Marken eingekauft werden kann.
1949.X.7.-1990.X.2. Deutsche Demokratische Republik.
1950 Wiederaufnahme des Wohnungsneubaus (Ringelnatzstraße).
  Die Dörfer Bennewitz, Roitzsch, Dehnitz, Deuben, Grubnitz, Schmölen und Nischwitz werden nach Wurzen eingemeindet.
1952 Verwaltungsreform. Wurzen wird Kreisstadt im Bezirk Leipzig.
  In Bennewitz und Roitzsch werden LPG gegrĂŒndet.
1954 Einweihung einer NaturbĂŒhne in einem alten Steinbruch am Wachtelberg.
  Einweihung des Neubaus der StraßenbrĂŒcke ĂŒber die Mulde.
  Nach wochenlangen RegenfĂ€llen kommt es im Juli zu einer der grĂ¶ĂŸten Hochwasserkatastrophen des Jahrhunderts.
1955 Mit der Bebauung der Felder am Steinhof wird begonnen (Grundsteinlegung fĂŒr den ersten AWG-Block am 22.9.).
1956 Beginn der Bebauung an der LĂŒptitzer Straße.
1959.IX.13. GrĂŒndung einer Musikschule.
  Beginn des Mittelschulunterrichts in Wurzen (10-klassige polytechnische Oberschule).
1961 1000-Jahr-Feier der Stadt (10.-18.6.).
1963 Die Stadt- und Kreisblibliothek wird Freihandbibliothek.
1964 Wurzen hat 24 324 Einwohner (31.12.).
1966 Inbetriebnahme der neuen KlÀranlage.
  Einweihung der Schulsternwarte in der Schillerstraße.
1967/1969 Neubau der EisenbahnbrĂŒcke.
1968 Der östliche und nördliche Teil des Steinhofes wird abgerissen, um eine bessere StraßenfĂŒhrung der jetzigen B 6 zu ermöglichen.
1969.V.31. Aufnahme des elektrischen Zugverkehrs zwischen Leipzig und Dresden. Einstellung der Personenbeförderung auf der Strecke Wurzen-Golzern (Teil der frĂŒheren Muldentalbahn).
.X.7. AnlĂ€sslich des 20. Jahrestages der GrĂŒndung der DDR Baubeginn fĂŒr eine Schwimmhalle in der LĂŒptitzer Straße (Fertigstellung 1.8.1972).
1971 Die Bebauung des Neubaugebiets Nord 1 zwischen LĂŒptitzer und Zillestraße ist abgeschlossen.
1972 Alle grĂ¶ĂŸeren privaten Betriebe, solche mit staatlicher Beteiligung und Genossenschaften mit industrieller Produktion werden durch Kauf in Volkseigentum ĂŒbernommen.
  Mit 24 356 Einwohnern erreicht Wurzen sein bisheriges Bevöl-kerungsmaximum.
1974.V.25. Beginn des S-Bahn-Verkehrs zwischen Leipzig und Wurzen.
.IX.1. Einweihung der Wilhelm-Pieck-Oberschule (spÀter Mittelschule Nord, seit 2008 Ringelnatz-GS und Musikschule).
1976 Abriss der Heiliggeistkirche im ehemaligen Alten Friedhof, dieser wird in eine Parkanlage umgewandelt.
  Die Bevölkerungsentwicklung der Stadt wird rĂŒcklĂ€ufig. Nischwitz und die Dörfer westlich der Mulde werden wieder ausgemeindet.
1978.V.26. Einstellung des Personenverkehrs auf der Bahnstrecke Wurzen-Eilenburg.
1980 Der Wurzener Detlev KÀstner erkÀmpft zur Olympiade in Moskau eine Bronze-Medaille im Boxen.
1981 Der traditionsreiche Fremdenhof „Börse" wird abgerissen.
1982-1984 An der Ă€ußeren Torgauer Straße entsteht ein Heizwerk, das die WĂ€rmeversorgung fĂŒr mehrere Betriebe und fĂŒr die im Norden der Stadt geplanten Neubauviertel ĂŒbernehmen soll.
1982 Sanierung der GebÀude auf der Liegenbank. Die Nr. 1 wird bis 1983 völlig neu errichtet (Fachwerkhaus).
  Beginn der Erschließungsarbeiten fĂŒr das Eigenheimviertel an der Nemter Straße (SĂŒdring).
1983 JubilĂ€umsfeier anlĂ€sslich des 100. Geburtstages von Joachim Ringelnatz. Das Geburtshaus des Dichters wird nach Sanierung als Ringelnatz-Museum und Sitz der KreisgeschĂ€ftsstelle des Kulturbundes ĂŒbergeben. Auf dem Markt wird ein Marktbrunnen mit einer Figur des Dichters eingeweiht (24.6.).
  Der Röntgentrakt des Kreiskrankenhauses ist fertiggestellt.
.VIII.6./7. Nach starken NiederschlĂ€gen durchbricht die Mulde den Damm am Einlauf des Betriebskanals und am FĂ€hrwinkel oberhalb der EisenbahnbrĂŒcke (Schaden ĂŒber 2 Mio. Mark). Bis zum 26.10. wird der Fluss wieder in sein altes Bett zurĂŒckgedrĂ€ngt.
  Mit dem RĂŒckbau des Betriebskanals wird begonnen.
1984 Wiedererrichtung der „PostsĂ€ule vor dem Wenzelstor“. Erneuerung des Wappens am PostgebĂ€ude. Postkutschenfahrt von MĂŒgeln nach Wurzen anlĂ€sslich der Einweihung (23./24.6.).
  Baubeginn fĂŒr die neue Wasserglasfabrik im Großen Eierpfuhl zwischen Wurzen und Dehnitz.
  Baubeginn im Neubaugebiet Nord II (20.7.).
  Der Aussichtsturm auf dem Wachtelberg wird nach seiner Sa-nierung den Besuchern wieder zugĂ€nglich gemacht.
1985 Eindeichung des Stadtbades.
  Das Neubaugebiet Nord II ist bebaut, mit Nord III wird begon-nen (Fertigstellung bis 18.4.1986).
1986 Abriss der GebÀudeinsel am Ausgang der FÀrbergasse zum Rosental.
  Festwoche anlĂ€sslich der 1025-Jahr-Feier der Stadt (1.-7.10.): Höhepunkt ist der Historische Markt am 7.10., zu dem etwa 50 000 Besucher gezĂ€hlt werden. Im Vorfeld der Feier werden das PesthĂ€uschen saniert und die Aula der Berufsschule (WandgemĂ€lde von Max Seliger) restauriert.
1987 Hochwasser in der Aue bis an die neuen Deiche (11.4.).
1989 Einweihung des neuen Gemeindehauses der Neuapostolischen Kirche in der Muldengasse.
1989.X.9.-1990.X.2. Politische Krise und Ende der DDR.
1989.X.16. Zum ersten Mal kommt es im Anschluss an das Friedensgebet im Dom zu einer Demonstration von etwa 400 BĂŒrgern durch die Stadt. Ziele des Protestzuges sind die SED-Kreisleitung in der Geschwister-Scholl-Straße und die Kreisdienststelle der Staatssicherheit im Dehnitzer Weg. Der Domplatz, die Domgasse und die Schultreppen werden durch die Polizei abgesperrt und die Teilnehmer „observiert“.
.XII.12. Ein „BĂŒrgerkomitee“ hat sich gegrĂŒndet und will bis zu den Kommunalwahlen auf der Basis eines Arbeitsprogrammes die TĂ€tigkeit der öffentlichen Gremien kontrollieren und ihre Hand-lungsfĂ€higkeit sichern. 24 Vertreter von Parteien und Organisationen sowie parteilose BĂŒrger gehören dem Komitee an, das meist in der Berufsschule tagt.
.Dezember In Wurzen leben 18 898 Einwohner.
1990.II.7. Vertreter der alten und der neugegrĂŒndeten Parteien, des Neuen Forums und des BĂŒrgerkomitees finden sich mit Vertretern der Stadt- und Kreisverwaltung am „Runden Tisch“ zusammen, den Superintendent Horst Schulze leitet.
.III.18. 51 % der Wurzener Wahlberechtigten wĂ€hlen bei den Volks-kammerwahlen die „Allianz fĂŒr Deutschland“ aus CDU, DSU und Demokratischem Aufbruch.
.V.6. Kommunalwahlen: CDU wird stĂ€rkste Fraktion im Stadtparlament und stellt mit Anton Pausch (ab 31.5.) den neuen BĂŒrgermeister.
.VII.1. Beginn der WĂ€hrungs- Wirtschafts- und Sozialunion mit der Bundesrepublik Deutschland.
.X.3. 00.00 Uhr Wiedervereinigung Deutschlands durch Beitritt der DDR zum Geltungsbereich des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland.
  WĂ€hrend der offiziellen Feier der Stadt zum Tag der Einheit wird im Plenarsaal des Stadthauses ein Partnerschaftsvertrag mit Warstein (Nordrhein-Westfalen) unterzeichnet.
.X.14. Restituierung des Freistaates Sachsen.
.X.20. In Barsinghausen (Niedersachsen) wird ein weiterer StÀdtepartnerschaftsvertrag unterzeichnet.
.Dezember In der Stadt sind 2 184 BĂŒrger als arbeitslos erfasst.
1991.I.3. Die Molkereigenossenschaft e.G. ist als erster grĂ¶ĂŸerer Be-trieb der Stadt in Konkurs gegangen. Etwa 100 BeschĂ€ftigte verlieren ihren Arbeitsplatz. Nach Jahrzehnten des ArbeitskrĂ€f-temangels ist Arbeitslosigkeit eine völlig neue Erfahrung der BĂŒrger.
.II.2. Die ersten Asylbewerber kommen nach Wurzen. Sie werden im Alten Krankenhaus in der Albert-Kuntz-Straße untergebracht.
.V.31. FĂŒr den Betrieb "Solid-Lederwaren" wird das Konkursverfahren eröffnet. Die Treuhand hatte entschieden, dass die Firma nicht sanierungsfĂ€hig ist, außerdem werden Betriebsteile von Altei-gentĂŒmern zurĂŒckgefordert.
.Sommer Die Goetheschule wird Gymnasium und in das SchulgebÀude auf dem Domplatz verlegt (bis 1994).
1992.III.5. Grundsteinlegung fĂŒr den Schulneubau in der Rosa-Luxemburg-Straße. Übergabe am 14.8. Nutzung zunĂ€chst durch das Gymnasium, ab 1996 Grundschule „An der Sternwarte“.
.III.12. Das Freibad „Goldenes TĂ€lchen“ wird fĂŒr immer geschlossen.
.V.13. Am Jacobsplatz 11 ("Alte Schmiede") beginnt der Bau eines Wohn- und GeschÀftshauses. Damit beginnt die Neugestaltung der Wurzener Innenstadt, die in ein Förderprogramm von Bund und Freistaat zur Altstadtsanierung aufgenommen worden ist.
.VI.18. Auf dem Markt werden die alten Lichtmasten durch 6 Kandelaber aus der Broncewarenfabrik ersetzt.
.VII.26. Nach zehn Jahren ist die umfassende Außensanierung des Domes mit der Fertigstellung der TĂŒrme abgeschlossen.
.August Das alte Stadtgut am Jacobsplatz 26/27 wird abgerissen.
.IX.28. Die „Friedenslichtspiele“ werden geschlossen. Damit hat Wurzen kein Kino mehr.
1993.I.1. Nemt wird Stadtteil der Stadt Wurzen
Februar Die Gasversorgung der Stadt wird von Stadtgas auf Erdgas umgestellt.
.II.23. Die letzten russischen Soldaten verlassen nach 48 Jahren Besatzung und Stationierung in der frĂŒheren Artilleriekaserne die Stadt.
.IV.17. Erster Spatenstich im Gewerbegebiet Eilenburger Straße.
.VI.4. Erster Spatenstich fĂŒr eine neue Spiel- und Sporthalle in der PĂŒttnerstraße (Fertigstellung bis 3.3.1994)
.VIII.8. Die ehemalige Kartonagenfabrik im Dehnitzer Weg brennt ab.
.IX.21.-26. Die 4. Baden-WĂŒrttembergisch/SĂ€chsischen Literaturtage finden in Wurzen statt.
.X.1. Nach Abriss des ruinösen Brauereikomplexes in der Badergasse beginnt der Bau eines modernen, dem Stadtbild angepassten Ensembles von GebĂ€uden mit Einkaufs- BĂŒro- und WohnflĂ€chen.
.XI.24. Nach monatelangen Tiefbauarbeiten wird die Wenceslaigasse als FußgĂ€ngerzone eingeweiht.
.XII.2. Grundsteinlegung fĂŒr das kĂŒnftige Freizeit- und Erlebnisbad auf dem GelĂ€nde des alten Stadtbades.
.XII.7. Die Stadt erhĂ€lt das Staatliche Amt fĂŒr LĂ€ndliche Neuordnung als Ausgleich fĂŒr den bevorstehenden Verlust der Kreisstadtfunktion.
.Dezember In Wurzen werden 3 047 Arbeitslose gezÀhlt. Das ist mit 14,8% das bisherige Maximum.
1994.IV.19. Baubeginn fĂŒr ein neues Altenpflegeheim in der Albert-Kuntz-Straße auf dem GelĂ€nde des einstigen Alten Krankenhauses (Einweihung 30.4.1996).
.VI.8. Im Beisein von Kurt Biedenkopf erster Spatenstich fĂŒr den Neubau des Gymnasiums in der LĂŒptitzer Straße (Einweihung am 16.02.1996).
.VI.6. Das GelÀnde am Jacobsplatz 26/27 ist neu bebaut; in das GeschÀftshaus zieht die GeschÀftsstelle der Sparkasse Muldental ein.
.VI.12. Europa- und Kommunalwahlen. Direktwahl des BĂŒrgermeisters
  Zum erstenmal wird der BĂŒrgermeister der Stadt von den BĂŒrgern direkt gewĂ€hlt. Es treten an: der bisherige BĂŒrgermeister Anton Pausch (CDU), der bisheriger technische Beigeordnete Peter Konheiser (SPD) und Roland MĂŒhlner (DSU). Keine absolute Mehrheit fĂŒr Anton Pausch (41,5 %) oder Peter Konheiser (39,9 %). Deshalb am 26.6. Stichwahl. Ergebnis: Anton Pausch erhĂ€lt 50,9 % der gĂŒltigen Stimmen, Peter Konheiser 40,8 %. Der bisherige Amtsinhaber wird auch die nĂ€chsten 7 Jahre BĂŒrgermeister im Wurzener Stadthaus sein.
  Die CDU bleibt stĂ€rkste Fraktion im Stadtrat und vereinbart mit den zwei StadtrĂ€ten der F.D.P. eine Koalition.
VII.31. Landrat Werner Hubrich, der fĂŒr mehr als 4 Jahre die Geschi-cke des Landkreises Wurzen gelenkt hat, wird verabschiedet.
.VIII.1. Die Kreisreform tritt in Kraft: Wurzen verliert den Kreissitz und verbleibt als Stadt im neuen Muldentalkreis, der im wesentlichen aus den beiden Kreisen Grimma und Wurzen gebildet ist.
  Öffentliche Einrichtungen verlieren ihre EigenstĂ€ndigkeit und werden Zweigstellen ĂŒbergeordneter Einrichtungen in Grimma (Amtsgericht, Polizei, Schulamt, Landratsamt) bzw. Döbeln (Straßenmeisterei). In der Landesplanung wird Wurzen als Mittelzentrum ausgewiesen.
.XI.17. Nach 307 Tagen Bauzeit wird in der Nemter Straße ein Gemeindezentrum der "Sieben-Tage-Adventisten" eingeweiht.
1995.I.3. Seit Jahresbeginn lĂ€uft das Konkursverfahren fĂŒr die Wurzener Möbel GmbH.
.VI.13. Der seit dem 29.5. wÀhrende Streik in der Dauerbackwaren GmbH endet mit einem Erfolg der Streikenden: Ihnen wird die 100%ige Angleichung ihrer Löhne an das Westniveau bis 1998 zugesichert.
.VII.14. Einweihung des Freizeit- und Erlebnisbades "DreibrĂŒcken".
.Sommer Seit Mai kommt es wiederholt zu gewalttĂ€tigen Auseinandersetzungen zwischen „links“ und „rechts“ orientierten Jugendlichen. Mehrfach massiver Polizeieinsatz.
.VIII.8. Übergabe des vollstĂ€ndig sanierten Rathauses.
.VIII.18. Stadtrat gibt seine Zustimmung zur Ansiedlung der World Ressources Company auf dem GelĂ€nde des frĂŒheren Motorenwerks.
.VIII.25. Die Erschließung des Gewerbegebiets Nord wird mit der Übergabe der Verbindungsstraße zwischen Collmener und Eilenburger Straße abgeschlossen.
.XI.11. Wurzen hat 17 346 Einwohner.
1996.Januar Baubeginn fĂŒr einen Wohn- und GeschĂ€ftskomplex zwischen Gerhart-Hauptmann-Platz und Kannengießergasse.
.II.16. Übergabe des fertiggestellten Neubaus des Magnus-Gottfried-Lichtwer-Gymnasiums.
  Rosenmontag-Umzug der SchĂŒler und Lehrer vom Domplatz in die LĂŒptitzer Straße
.II.26. FĂŒr den Erhalt des Wurzener Kreiskrankenhauses mit allen seinen Stationen haben bisher 18 115 ihre Unterschrift gegeben.
.V.6. Im GebĂ€ude der grundlegend sanierten "Alten Wache" in der Friedrich-Ebert-Straße eröffnet die Dresdner Bank ihre 60. Filiale in Sachsen.
.VI.14. Die Turmuhr von St. Wenceslai hat ein funkgesteuertes Uhrwerk erhalten.
.V.31. Schließung der Wurzener Teppichfabrik. Ihr Konkurs wurde bereits am 6.12.1994 angemeldet.
.Sommer Baubeginn fĂŒr den Wohnpark in der frĂŒheren GĂ€rtnerei Spaak.
.IX.13. Boykottaufrufe in Leipziger Medien gegenĂŒber Wurzen wegen "neofaschistischer Zentren" in der Stadt.
.XI.16. Antifa-Demonstration mit etwa 5 000 Beteiligten aus verschiedenen BundeslĂ€ndern gegen angeblich "neofaschistische Umtriebe in Wurzen". 1 200 Polizisten und 50 Journalisten begleiten den Zug durch die Stadt. Im Vorfeld dazu und danach zuge-spitzte Medienkampagne gegen die Stadtverwaltung und den BĂŒrgermeister (Presse, Rundfunk und Fernsehen, Internet).
.November Seit 1991 haben sich in Wurzen 121 SpĂ€taussiedler aus der frĂŒheren Sowjetunion niedergelassen.
1997.I.14. Das Parkhaus in der Franz-Mehring-Straße mit 203 StellplĂ€tzen wird der Öffentlichkeit ĂŒbergeben.
.III.31. In Wurzen leben auf einer FlÀche von 1 749 Hektar insgesamt 17 030 Einwohner; davon sind 9 012 weiblich, 8 018 mÀnnlich. Unter ihnen sind 129 AuslÀnder.
.IV.1. Wurzen wird durch die Landesregierung zur "Großen Kreisstadt" erklĂ€rt.
.V.15. Der Abwasserzweckverband "MĂŒhlbachtal" beginnt mit dem Bau des Regenstaukanals in der Alten Nischwitzer Straße (Fertigstellung 2.4.1998).
.IX.24. Gegen 2.00 Uhr bricht in der BĂ€ckerei der Dauerbackwaren GmbH ein Feuer aus, dem die Hallen fĂŒr die FeingebĂ€ckherstellung vollstĂ€ndig zum Opfer fallen. Die Feuerwehr kann lediglich ein Übergreifen der Flammen auf die Hallen fĂŒr die Waffelproduktion verhindern. Die ArbeitsplĂ€tze fĂŒr 300 Mitarbeiter gehen durch die Katastrophe verloren.
.X.30. An der Ă€ußeren Collmener Straße beginnt das umfangreichste Aufforstungsprojekt des Freistaates auf dem GelĂ€nde des frĂŒheren TruppenĂŒbungsplatzes, der in Fortsetzung dieser Arbeiten auch von Kampfmitteln gesĂ€ubert wird. Die Stadt wird einen angrenzenden Streifen des GelĂ€ndes erwerben. Sie bewirbt sich um die Ausrichtung der Landesgartenschau im Jahre 2002, die dann auf diesem GelĂ€nde stattfinden soll.
.Dezember 20,4% der ErwerbsfÀhigen sind in Wurzen arbeitslos, das sind insgesamt 4 637 Frauen und MÀnner.
1998.IV.16. Erster Spatenstich fĂŒr den Erweiterungsbau im Kreiskrankenhaus (Notaufnahmestation).
.V.19. Grundsteinlegung fĂŒr den Neubau der Dauerbackwaren GmbH.
.V.12. Übergabe der neuen Förderschule fĂŒr geistig Behinderte in der LĂŒptitzer Straße.
.VI.21. Die Fußballer des ATSV "Frisch auf" steigen in die Landesliga auf.
.VII.1. FortfĂŒhrung des Abrisses der alten Wasserglasfabrik. Dazu werden 60 ABM-KrĂ€fte eingesetzt.
.IX.3. Übergabe der völlig umgebauten und sanierten Schule am Domplatz 7/8 als Haus 2 des Beruflichen Schulzentrums Wurzen.
.IX.19. Einweihung des Neubaus der Schokoladen- und GebĂ€ckfabrik der Stollwerck AG auf dem GelĂ€nde der im Vorjahr abgebrannten ProduktionsstĂ€tte der Dauerbackwaren GmbH im Beisein von Bundesaußenminister Dr. Kinkel und von MinisterprĂ€sident Kurt Biedenkopf. Dr. Hans Imhoff, der Aufsichtsratsvorsitzende der Stollwerck AG, erhĂ€lt die EhrenbĂŒrgerschaft der Stadt Wurzen.
.X.1./3. Die Schulmusiktage Sachsen/Baden-WĂŒrttemberg finden in Wurzen statt. Abschlusskonzert am Tag der Einheit im Großen Saal des Gewandhauses zu Leipzig.
.XI.26.-28. Der NPD-Treffpunkt in der Dresdener Straße 62 wird von der Polizei am Abend der 26.11. geschlossen. In dem GebĂ€ude, das einem Wurzener Bauunternehmer gehört, sollte am 28.11. der Landesparteitag der rechtsextremen Partei stattfinden.
.Dezember Das Drahtseilwerk wird von der Mutterfirma in Hamm geschlossen.
1999.II.1. Borsdorf und Pahnitzsch werden dem Wurzener Polizeirevier zugeordnet. Beide Gemeinden gehören auf Grund des ab 1.1. 1999 vollzogenen Stadt-Umlandgesetzes zum Muldentalkreis.
II.6. Nach ĂŒber zweijĂ€hriger Bauzeit wird die Außenstelle Wurzen des Grimmaer Amtsgerichtes (der frĂŒhere Nordbahnhof in der Friedrich-Ebert-Straße) feierlich eingeweiht.
II.20. Der Pegel der Mulde erreicht mit 3,23 Metern seinen diesjĂ€hrigen Höchststand. Am 4.3. verursachen Schneeschmelze und RegenfĂ€lle einen Pegelstand von ĂŒber vier Meter. Alarmstufe 2 wird im Landkreis ausgelöst. Keine nennenswerten SchĂ€den.
IV.16. Der Förderverein Mittleres Muldengebiet beginnt am „Tag des Waldes“ unter Mithilfe der Bevölkerung den kĂŒnftigen Stadtwald auf dem ehemaligen TruppenĂŒbungsplatz anzulegen.
V.20./21. Wiedereröffnung des Kulturgeschichtlichen Museums in der Domgasse. Am 21.5. Museumsball. Über die Pfingsttage ist das MuseumsgebĂ€ude erstmals wieder nach vielen Jahren fĂŒr die BĂŒrger geöffnet. Die stĂ€ndige Ausstellung ist völlig neu gestaltet worden.
V.27. Die ersten GebĂ€ude der frĂŒheren Artilleriekaserne, die bis 1993 durch die russische Besatzungsmacht genutzt wurden, sind saniert. An der Juelstraße werden sie als Wohnpark ĂŒber-geben.
VI.13. Die Wahlen zum Wurzener Stadtrat ergeben folgende Sitzverteilung: CDU 12, SPD 8, PDS 1, FDP 1, NPD 1.
VI.30. Der Abriss und die BerĂ€umung der 100 000 Quadratmeter großen FlĂ€che des Altwerks der Wasserglasfabrik ist beendet. FĂŒr diese Maßnahme waren 50 ABM-KrĂ€fte eingesetzt.
VII.3. Erste Mulde-Regatta von Grimma nach Wurzen mit 727 Teilnehmern in 310 Booten.
VII.11. 40-jÀhriges JubilÀum der Musikschule Muldental "Theodor Uhlig". Festkonzert in der Aula des Gymnasiums.
  Einweihung der neuen Eule-Orgel in der Stadtkirche St. Wenceslai.
VIII.23. Einweihung der neuen Produktionsanlage bei der World Ressources Company an der LĂŒptitzer Straße im Beisein von Kurt Biedenkopf.
IX.9. Inbetriebnahme des Nemter Pumpwerkes fĂŒr die Einleitung der AbwĂ€sser in die Wurzener Kanalisation.
IX.13. Mit der Renaturierung des "Goldenen TĂ€lchens" wird begonnen.
IX.28. Beginn der Bauarbeiten am neuen Bahndamm und fĂŒr die neue EisenbahnbrĂŒcke ĂŒber die Mulde. Die Modernisierung der Linie Leipzig-Dresden zur Intercity-Strecke machen einen neuen Damm und eine neue BrĂŒcke notwendig.
X.28. Die katholische Herz-Jesu-Kirche am Roitzscher Weg wird 100 Jahre alt. Dieses JubilĂ€um ist fĂŒr die katholische Gemeinde der Stadt Anlass, an ihre Entstehung und Entwicklung seither zu erinnern.
X.30. Das PesthĂ€uschen auf dem frĂŒheren Alten Friedhof wird nach erfolgter Restaurierung der Öffentlichkeit prĂ€sentiert. Es hat zusĂ€tzlich schĂŒtzende Metallgitter erhalten, um weiteren Zerstörungen vorzubeugen. Die Arbeiten wurden zum grĂ¶ĂŸten Teil mit einer Spende des Wurzener EhrenbĂŒrgers Dr. Hans Imhoff finanziert.
XII.31. Wurzens Einwohnerzahl sinkt weiter. Am letzten Tag des Jahres sind 16 229 Personen in Wurzen gemeldet.
2000. Januar Fast jeder 5. Wurzener im berufsfĂ€higen Alter ist arbeitslos. Die Statistik fĂŒr Januar nennt 4 577 Arbeitslose.
III.30. Die Stadt erhĂ€lt wieder einen Friedensrichter. Carola Sperling wurde durch den Stadtrat fĂŒr dieses Amt vorgeschlagen.
IV.30. Der traditionsreiche Wurzener Betrieb Wutra GmbH wird geschlossen. Anfang des Jahres musste er Konkurs anmelden. 61 BeschĂ€ftigte werden arbeitslos. 31 von ihnen werden ab 1.5. von der Emde Industrietechnik ĂŒbernommen, die einen Teil der Produktion auf dem GelĂ€nde des frĂŒheren Motorenwerks wie-terfĂŒhrt.
V.8. Die neue Straße im Eigenheimbaugebiet am Dehnitzer Weg erhĂ€lt den Namen Conley-Ring. Der Namengebung wohnt Susan Pollard bei, die Tochter des amerikanischen Offiziers, der am 24.4.1945 die kampflose Übergabe der Stadt annahm.
V.29. Nach 25 Monaten Bauzeit wird die neue Notaufnahmestation im Krankenhaus fertiggestellt.
VI.22. Der PrĂ€sident des Deutschen Bundestages Wolfgang Thierse weilt auf Einladung des Netzwerkes fĂŒr demokratische Kultur in Wurzen. Bei einer Diskussionsrunde im Alten Rathaus zeigt sich Wolfgang Thierse betroffen ĂŒber die latente Rechtslastigkeit in weiten Kreisen der Bevölkerung, auch der Wurzens.
VII.1. 2. Mulde-Regatta von Grimma nach Wurzen mit 791 Teilnehmern in 337 Booten.
VII.10. Im Badergraben beginnen die Arbeiten zu seiner Neugestaltung. Es wird in seiner Mitte eine 40 m lange "Insel" angelegt, die mit BÀumen, StrÀuchern und Bodendeckern bepflanzt werden soll.
VII.14. Auf dem GelĂ€nde des Neuwerks des frĂŒheren Motorenwerks an der LĂŒptitzer Straße beginnen in Anwesenheit von Dr. Schommer, dem sĂ€chsischen Staatsminister fĂŒr Wirtschaft und Arbeit, die Erschließungsmaßnahmen fĂŒr ein neues Mittelstandszentrum.
VII.29. Am Vormittag demonstrieren 65 Personen gegen die "Kriminali-sierung" von Hundebesitzern in der Innenstadt.
VIII.31. Das Caritas-Altenheim St. Hedwig hinter der katholischen Kirche zwischen Torgauer Straße und Roitzscher Weg wird eingeweiht.
IX.25. Heute beginnt die "Schließwoche" von Wurzener Ärzten. Mit ihren geschlossenen Praxen protestieren sie gegen die Gesundheitspolitik der Bundesregierung.
IX.30. Die öffentliche Ausschreibung des Wurzener Schlosses durch die Staatsregierung lĂ€uft ab. Bis jetzt hat sich jedoch noch kein Investor fĂŒr das 500 Jahre alte und sanierungsbedĂŒrftige Schloss gefunden.
X.2. Im Badergraben wird der "Jahrtausendstein" enthĂŒllt, mit dem die BĂŒrger der Stadt an die Opfer von Kriegen und politischer Gewalt im zu Ende gehenden Jahrhundert erinnern wollen.
XI.6. Der Beigeordnete Dr. JĂŒrgen Schmidt wird von der CDU-Ortsgruppe als Kandidat fĂŒr die Wahl des OberbĂŒrgermeisters am 10.06.2001 nominiert.
XI.25. Der 120 m hohe Schornstein des einstigen Heizwerkes an der Ă€ußeren Torgauer Straße wird am Nachmittag gesprengt.
Dezember Das Jahrtausend geht mit einschneidenden Abrissen von GebĂ€uden zu Ende: Im November verschwanden bereits ein einsturzgefĂ€hrdetes Wohnhaus (Johannisgasse 8) und die "Goldene 13" zwischen Schuh-, Johannis- und Finsterer Gasse. Jetzt folgen das "Beamtenhaus" der frĂŒheren MĂŒhlenwerke am MĂŒhlgraben und ein GebĂ€ude der GHG an der Dresdener Straße.
XII.20. Im Kulturgeschichtlichen Museum wird ein weiterer Teil der stÀndigen Ausstellung eröffnet.
XII.21. Nach 72 Monaten Bauzeit wird die grundlegende Sanierung der Pestalozzi-Mittelschule mit der Einweihung der rekonstruierten Turnhalle abgeschlossen.